Gemäßigter Bismarck-Kommers 2013

Ohne Neonazis hat am 15.3.2013 der „Bismarck-Kommers“ stattgefunden. Die neofaschistische „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ war erneut nicht eingeladen. Im Gegensatz zum Vorjahr wurde auch nicht auf einen Festredner aus diesem politischen Lager zurückgegriffen.

Veranstalter war in diesem Jahr der „Akademische Turnerbund“ (ATB), in Bielefeld nur durch eine überschaubare Altherrenschaft vertreten, aber ohne aktive Verbindung. Dem ATB ist zu Gute zu halten, dass er weder farbentragend noch schlagend ist und auch in der Geschlechterfrage eine relativ liberale Position vertritt.

Unterdessen hat die Neustädter Marien-Kirchengemeinde dem „Bielefelder Bündnis gegen Rechts“ zugesichert, dass deren Gemeindehaus zukünftig nicht mehr für den „Bismarck-Kommers“ zur Verfügung steht.

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Bismarck-Kommers-Festredner Kuhlmann nun endgültig in der Neonazi-Szene angekommen

Während am vergangenen Wochenende die jährliche „Ideenwerkstatt“ der Bielefelder „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ erneut ohne nennenswerte Außenwirkung über das neofaschistische Milieu hinaus vonstatten gegangen ist, so gibt es in der Nachbetrachtung Neuigkeiten über den diesjährigen „Bismarck-Kommers“ zu vermelden.

Der Festredner des „Bismarck-Kommers“ vom 9.3.2012, Prof. Dr. Karl-Heinz Kuhlmann, ist am Wochenende 24./25.11.2012 mal wieder als Referent aufgetreten. Veranstalter des Seminars „Ist der Islam eine Bedrohung?“, das konspirativ organisiert in Thüringen stattfand, war dabei niemand geringeres als der notorische Neonazi Meinolf Schönborn aus Herzebrock-Clarholz. Als weitere Referentin war die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel aus Vlotho vor Ort.

Hiermit ist auch für die letzten Zweifler_innen belegt, dass es sich bei Kuhlmann keineswegs um einen „Konservativen“ handelt, sondern um einen ausgewiesenen Neofaschisten. Damit wird auch im Nachgang erneut grundsätzlich über die Ausrichtung des „Bismarck-Kommers“ zu sprechen sein. Wenn wie in diesem Jahr als Feigenblatt für die Öffentlichkeit zwar die örtliche neonazistische Burschenschaft „ausgeladen“ bzw. „nicht ausdrücklich eingeladen“ wird, dann aber ein offen neofaschistischer „Festredner“ geladen ist, so muss in Zukunft weiterhin genau beobachtet werden, was es mit der Ideologie des „Bismarck-Kommers“, seinem Teilnehmerkreis und dessen Verbindungen zu den örtlichen gesellschaftlichen „Eliten“ auf sich hat.

Als Veranstaltungsort für den „Bismarck-Kommers 2013″ ist indes erneut das Gemeindehaus der Neustädter Kirchengemeinde angekündigt. Das Korporations- und Neonazi-Treffen soll im März stattfinden, Details liegen noch nicht vor.

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Veranstaltungshinweis

Im Rahmen des „Festival contre le racisme“, das vom 29.05.2012 bis 06.06.2012 u.a. an den Bielefelder Hochschulen stattfindet, wird eine Veranstaltung stattfinden, die sich mit den Geschlechteridentitäten in der Neonazi-Szene beschäftigt:

Vortrag: Straßenkämpfer und Vollzeit-Mütter? Männlichkeit(en) und Weiblichkeit(en) in der Neonaziszene

Dienstag, 29. Mai 2012, 18.00 Uhr | FH-Campus (Kurt-Schumacher-Str.) Gebäude D Raum 207

Referentin: Christiane Ritter (Antirassistisches Bildungsforum Rheinland)

Männliche Neonazis treten als Straßenkämpfer auf, halten Reden, übernehmen Ämter und begehen Gewalttaten, weibliche Neonazis sind für Kindererziehung und Familie zuständig, backen Kuchen, dürfen auch mal von Plakaten lächeln, halten sich ansonsten aber im Hintergrund und haben erst recht nichts zu sagen: Derartige Bilder über Frauen und Männer in der Neonazi-Szene sind weit verbreitet.

Wirft man jedoch einen genaueren Blick auf die Szene, wird schnell klar, dass die „Aufgabenverteilung“ längst nicht (mehr) so eindeutig ist. Frauen- wie auch Männerbilder haben sich ausdifferenziert, wenn auch biologistische Zuschreibungen weiterhin bestimmend sind.

Der Vortrag gibt einen Überblick über verschiedene Rollenbilder und das Verständnis von „Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“, Veränderungsprozesse werden aufgezeigt und daraus entstehende Konfliktlinien beschrieben.

Wie gehen Männer in der Neonazi-Szene mit selbstbewusst agierenden Frauen um? Wie vereinbaren Frauen öffentliches politisches Engagement mit den Ansprüchen, die an sie als „Erhalterinnen des Volkes“ gestellt werden? Und wie wirken sich gesamtgesellschaftliche Veränderungen im Geschlechterverhältnis auf die Szene aus? Wie werden entsprechende Debatten und Praxen rezipiert? Diese und andere Fragen werden von der Referentin aufgegriffen und bieten Ansätze für weitere Diskussionen im Anschluss an den Vortrag.

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die extrem rechten und/oder rassistischen Parteien, Organisationen oder Szenen angehören bzw. bereits in der Vergangenheit durch rassistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind oder an derartigen Veranstaltungen (z.B. „Bismarck-Kommers“!) teilgenommen haben, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen. Das Fotografieren und/oder Filmen in und vor dem Veranstaltungsraum ist untersagt, ebenso wie Tonmitschnitte der Veranstaltung.

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Neofaschistischer Festredner beim 72. Bismarck-Kommers – Widerstand gegen Studentenverbindungen bleibt dringend nötig

In einer gemeinsamen Pressemitteilung werten u.a. Jusos, Grüne Jugend, DGB-Jugend, FH-AStA und IBZ Bielefeld den Auftritt des notorischen Neofaschisten Karl-Heinz Kuhlmann als „Festredner“ beim „72. Bismarck-Kommers der Bielefelder Korporationsverbände“ am 9.3.2012 aus:

Neofaschistischer Festredner

Am 09.03.2012 hat im Gemeindehaus der Neustädter Marienkirche der „72. Bismarck-Kommers der Bielefelder Korporationsverbände“ stattgefunden.

Festredner war hier der Theologe Prof. Dr. Karl-Heinz Kuhlmann. Dieser verfügt bekanntermaßen über enge Verbindungen zu mindestens drei neofaschistischen Organisationen:
- Für die Wochenzeitung „Junge Freiheit“ trat er als Autor und tritt heute noch als eifriger Leserbriefschreiber mit offen rassistischen, antisemitischen und geschichtsrevisionistisch-revanchistischen Thesen auf.
- Dem „Institut für Staatspolitik“ stand er im Frühjahr 2011 als Referent zur Verfügung.
- Für das „Freundschaft- und Hilfswerk Ost e.V.“ ist er u.a. als Schirmherr tätig.

Besonders aus den Leserbriefen an die „Junge Freiheit“ ist Kuhlmanns Geisteshaltung seit Jahren bekannt. In unmissverständlich rassistischer Weise äußerte Kuhlmann sich hier bereits 2007:
„Hier sind endlich Klarstellungen nötig, die bisher leider von deutscher Seite ausgeblieben sind. Man redet da von ausländischen Mitbürgern, als ob jemand, der häufig die Sprache nicht beherrscht, der nicht alle Rechte und Pflichten übernehmen will, ein Mitbürger sein könnte. Gerade die Türken muß man unmißverständlich darauf hinweisen, daß die Deutschen als Bürger eines souveränen Staates das Recht und die Pflicht haben, ganz allein die Verhältnisse in ihrem eigenen Land zu bestimmen.“

2008 hat Kuhlmann dann seiner revanchistischen Haltung in der Diskussion um ein „Zentrum gegen Vertreibungen“ freien Lauf gelassen:
„Polen war und bleibt Täter! Um so unverständlicher ist der Eiertanz der Bundesregierung um dieses für jedes andere Volk selbstverständliche Zentrum. Hier eine Zustimmung Polens zu erwarten oder gar zu erbitten, ist eine unglaubliche Selbstdemütigung. Hier kann der noch nicht total umerzogene Deutsche nur Verachtung für seine eigene Regierung empfinden.“

2011 schlug Kuhlmann in diesem Zusammenhang auch antisemitische Töne an:
„Gegen alle politische Korrektheit kann ich dem Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland kein Recht zubilligen, darüber mitentscheiden zu wollen, ob Deutschland seinen aus der Heimat vertriebenen Landsleuten einen Gedenktag widmet. Auch Polen hat da gar nichts mitzubestimmen!“

2009 versuchte Kuhlmann gar, das Deutsche Reich von der Schuld am Zweiten Weltkrieg freizusprechen:
„Warum also mündete der deutsche Angriff auf Polen in den Zweiten Weltkrieg? Weil Großbritannien und Frankreich ihre Weltmachtrolle in Gefahr sahen und sich mit dem Vorspiel der Ereignisse um Danzig die Gelegenheit bot, den Konkurrenten Deutschland in die Schranken zu weisen.“

Diese Aufreihung ließe sich um etliche Beispiele fortsetzen, die das gesamte Themenspektrum der extremen Rechten umfassen.

Nach Medienberichten hetzte Kuhlmann erwartungsgemäß auch in seiner Rede im Gemeindehaus der Neustädter Marienkirche gegen Muslime und den Islam.

Ein breites Bündnis hatte bereits im Vorfeld der Veranstaltung darauf aufmerksam gemacht, dass es den Studentenverbindungen und ihren Altherrenschaften mit dem „Bismarck-Kommers“ einzig darum geht, antidemokratische Positionen in die Öffentlichkeit zu tragen. Mit dem diesjährigen Festredner wurde diese Prognose eindrucksvoll belegt.

Inbegriff für die „rohe Bürgerlichkeit“

Der renommierte Bielefelder Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer hat kürzlich im Rahmen der Verleihung des Göttinger Friedenspreises auf die Bedrohung durch Diskriminierungen aus vermeintlich bürgerlichen Positionen heraus hingewiesen: „Die ‚rohe Bürgerlichkeit‘ kommt versteckt daher und hat enormen Einfluss auf das öffentliche Klima. Sie findet ihren Ausdruck in einem Jargon der Verachtung gegenüber schwachen Gruppen und der rigorosen Verteidigung bzw. Einforderung einiger Etabliertenvorrechte im Duktus der Überlegenheit.“

Die Studentenverbindungen erfüllen diese Kriterien bürgerlicher Gewalt in besonderem Maße. Ohne selbst in als extrem rechts geltenden Kreisen tätig zu sein, zeichnen sie sich immer wieder aufs Neue – im Alltag wie zu besonderen Anlässen – durch menschenverachtende Strukturen und Positionen aus. Neben der nun aktuell in Bielefeld zu Tage getretenen Fremden- und Islamfeindlichkeit gilt das gleichermaßen für die Frauenfeindlichkeit, den Sozialdarwinismus und einen völkischen Nationalismus als einende Einstellungsmuster.

Sich wie am 09.03.2012 in Bielefeld geschehen, auf einen in neofaschistischen Kreisen reputierten Redner zu stützen, ist für den mühsam aufrecht erhaltenen bürgerlichen Anstrich der Studentenverbindungen nicht eben schlau, zeugt aber auch von einem enormen Selbstbewusstsein, von wichtigen Teilen der Öffentlichkeit weiterhin gefördert und gedeckt zu werden.

Bedenkliche Unterstützung von vielen Seiten

Es bleibt für uns weiterhin unfassbar, dass der „Bismarck-Kommers“ mitsamt der xenophoben Hetzrede des Karl-Heinz Kuhlmann in den Räumen einer als liberal geltenden Kirchengemeinde stattfinden konnte. Nach zunächst fruchtbar erscheinenden Gesprächen hat sich der verantwortliche Pfarrer Alfred Menzel leider der weiteren inhaltlichen Auseinandersetzung entzogen. Die Gemeindeleitung teilte schließlich mit, als Vermieterin sei die Neustädter Mariengemeinde „nicht mit den Inhalten, Geselligkeitsformen sowie Zielen des Veranstalters des Kommerses zu identifizieren“.

Dieser kuriosen Auffassung widersprechen wir auf das Entschiedenste. Erst durch die Anmietung öffentlicher Räume erhalten die Studentenverbindungen die Gelegenheit, ihre antidemokratischen Positionen wirksam in die Öffentlichkeit zu tragen. Alle Vermieter von Räumen an diese Gruppen – ob in der Vergangenheit, aktuell oder in Zukunft – machen sich so mitverantwortlich für das Geschehen.

Als entscheidendes Kriterium, die Vermietung der Räume nicht rückgängig zu machen, hat Pfarrer Alfred Menzel die Aussage des „Staatsschutz“ bei der Bielefelder Polizei herangezogen, der Festredner Kuhlmann sei „verfassungsmäßig nicht bedenklich“. Wo fängt für diesen „Staatsschutz“ eine verfassungsmäßige Bedenklichkeit an, wenn nicht bei einer Person, die zumindest drei neofaschistischen Organisationen nahesteht bzw. angehört?

Doch es sollte – nicht erst seit den Enthüllungen um die Terrororganisation „Nationalsozialistischer Untergrund“ – für gesellschaftlich interessierte und engagierte Menschen hinlänglich bekannt sein, dass von den zuständigen staatlichen Behörden keine Kompetenz gegen die extreme Rechte zu erwarten ist.

Zu den Unterstützern, die sich an der Verbreitung der korporierten Positionen mitverantwortlich machen, gehören auch diejenigen Personen, die eine Veranstaltung wie den „Bismarck-Kommers“ durch ihre Teilnahme aufwerten. Hier ist in diesem Jahr insbesondere der Bielefelder Bürgermeister Detlef Helling (CDU) zu nennen. Im Gegensatz zu Oberbürgermeister Clausen, der mit dem berechtigten Verweis auf den fremdenfeindlichen Charakter des Festredners die Einladung ausgeschlagen hatte, verbrachte Helling einen geselligen Abend auch mit seinen korporierten Parteifreunden wie dem Brackweder Bezirksabgeordneten Herbert Braß – um anschließend inmitten der Alten Herren für ein Pressefoto zu posieren.

Entschiedener Widerstand gegen den „Bismarck-Kommers“ bleibt bitter nötig

Es ist mehr als deutlich geworden, dass der halbherzige Ausschluss der offen neonazistischen „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ von der Veranstaltung – und auch das nur auf Wunsch des Vermieters der Räumlichkeiten – nicht über die im Korporationswesen weit verbreiteten Gesinnungen hinwegtäuschen kann.

Ebenso deutlich ist in diesem Jahr geworden, dass der Versuch der Studentenverbindungen, ihren Einfluss in die Mitte der Gesellschaft auszubauen, immer noch teilweise von Erfolg gekrönt ist.

Wir sehen daher die dringende Notwendigkeit, uns in den kommenden Jahren wieder in stärkerem und entschiedenerem Maße gegen die Studentenverbindungen und ihr Aushängeschild – den jährlichen „Bismarck-Kommers“ zu wenden.

In Bielefeld ist kein Platz für Ausgrenzung und Menschenverachtung!

Analyse und Kritik des Verbindungs(un)wesens [ak:mütze]
Jusos Bielefeld
Grüne Jugend Bielefeld
DGB-Jugend OWL
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Bielefeld
Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) der Fachhochschule Bielefeld
Juso-Hochschulgruppe Uni Bielefeld
Fachschaft Gender Studies Uni Bielefeld
YXK Bielefeld (Verband der Studierenden aus Kurdistan)
Internationales Begegnungszentrum-Friedenshaus e.V. (IBZ Bielefeld)
Antifaschistische Praxis in Bielefeld

[Download der Pressemitteilung vom 15.3.2012 als PDF-Datei, 99 kByte]

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Mahnwache gegen den Bismarck-Kommers am 9.3.2012 ab 19.30h

Auch in diesem Jahr wird der Bielefelder „Bismarck-Kommers“ nicht ohne wahrnehmbaren Protest am Ort des Geschehens vonstatten gehen. Eine Mahnwache für die Opfer neonazistischer Gewalt, rechtskonservativer Politik und der Unkultur des Wegsehens beginnt am Freitag, 9.3.2012 um 19.30h vor dem Gemeindehaus der Neustädter Marienkirche (Papenmarkt). Alle, die keine eigene Aktion im Rahmen des dezentralen Konzepts durchführen, können somit ihren Protest vor Ort zum Ausdruck bringen.

Wir erkennen den in diesem Jahr konsequent vollzogenen Ausschluss der neofaschistischen „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ vom Kommers durchaus als einen Schritt der Korporationen in Richtung demokratischer Gepflogenheiten an – und begreifen ihn zugleich als einen Erfolg unserer Kampagne in den beiden vergangenen Jahren – können dadurch alleine jedoch nicht von unserer allgemeinen Kritik am studentischen Verbindungswesen absehen [in aller Ausführlichkeit hier nachzulesen].

Mit der Aktionsform einer Mahnwache wollen wir demonstrieren, dass wir das Bielefelder Verbindungs(un)wesen inkl. der Einbindung von Neonazis und neofaschistischen Gruppen weiterhin kontinuierlich im Auge behalten, öffentliche Auftritte dieser Kreise weiterhin ablehnen und nicht zuletzt auch scharfe Kritik an derjenigen Kirchengemeinde zum Ausdruck bringen, die hierfür noch Räumlichkeiten zur Verfügung stellt!

Keinen Fußbreit dem Faschismus!
Selbstbestimmung statt Herrschaftszeiten!
Verbindungen kappen!

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Bismarck-Kommers im Gemeindehaus – Neustädter Kirchengemeinde entzieht sich der inhaltlichen Auseinandersetzung

Die Gemeindeleitung der Neustädter Marienkirche hält daran fest, ihre Räumlichkeiten an den „Regionalverbund der Alten Herren des Wingolfbundes“ zur Ausrichtung des „Bismarck-Kommers“ am 9.3.2012 zu vermieten.

Die – auch von mehreren Gemeindemitgliedern – zahlreich an die Gemeindeleitung herangetragene, ausführlich inhaltlich begründete Ablehnung dieser Vermietung, wird in einer heute veröffentlichten Stellungnahme der Gemeindeleitung vollständig ignoriert. Das betrifft u.a. die Fragestellung, inwieweit die Ausgrenzung und gesellschaftliche Herabsetzung von Frauen sich mit den Werten und Zielen der Kirchengemeinde verträgt. Mit der Bestätigung, den „Bismarck-Kommers“ im Gemeindehaus stattfinden lassen zu wollen, gibt die Gemeindeleitung jedoch eine traurige Antwort.

An Stelle einer inhaltlichen Stellungnahme verweist die Gemeindeleitung ausgerechnet auf den polizeilichen „Staatsschutz“, der dem Gros der Korporationen eine „Verfassungsmäßigkeit“ bescheinigt. Davon abgesehen, dass auch das keinerlei inhaltliches Kriterium darstellt, sollte insbesondere kurz nach den Vorgängen um die Neonazi-Terrororganisation „NSU“ allgemein bekannt sein, was grundsätzlich von den Einschätzungen solcher Stellen zu halten ist.

Sogar ein eigentlich selbstverständliches Hausverbot für die bekennenden Neofaschisten der „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ begründet die Gemeindeleitung mit keinem Wort inhaltlich, sondern ebenso unter Bezugnahme auf den polizeilichen „Staatsschutz“: „verfassungsmäßig bedenklich“

„Als Vermieterin ist die Neustädter Mariengemeinde nicht mit den Inhalten, Geselligkeitsformen sowie Zielen des Veranstalters des Kommerses als Mieter und seiner beteiligten Verbände zu identifizieren.“ – Diese Aussage der Gemeindeleitung ist schlicht und einfach falsch. Selbstverständlich ist die Gemeinde – wer sonst? – genau dafür verantwortlich, wem sie in vollem Bewusstsein zu welchem Zweck ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Eine zumindest teilweise Identifikation muss hier geradezu zwingend unterstellt werden.

Wir müssen uns mit unserem Protest am 9.3. nun auch ausdrücklich gegen die bewusst getroffene Entscheidung der Gemeindeleitung der Neustädter Marienkirchengemeinde wenden.

In Gedenken an die Opfer neonazistischen Terrors, rechtskonservativer Ausgrenzungspolitik und einer Kultur des Wegschauens!

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Erste Aufrufe zum Protest

An der Uni Bielefeld wurden erste Flyer gesichtet, die zum Protest gegen den diesjährigen Bielefelder „Bismarck-Kommers“ aufrufen. Sobald uns konkrete Informationen zu Gegenaktivitäten vorliegen, werden wir diese hier veröffentlichen.

Dezentrale Aktionen gegen den Bismarck-Kommers 2012

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Offener Brief an die Neustädter Kirchengemeinde

Die Allgemeinen Studierendenausschüsse an Uni und FH haben heute, gemeinsam mit weiteren Unterzeichner_innen, in einem „Offenen Brief“ an die Neustädter Kirchengemeinde dahingehend appelliert, die Vermietung an die örtlichen Studentenverbindungen zurückzuziehen. Nach bisherigem Stand soll der diesjährige „Bismarck-Kommers“ im Gemeindehaus dieser Kirchengemeinde stattfinden.

Offener Brief zum
„Bismarck-Kommers der Bielefelder Korporationsverbände“

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Gemeinde,
sehr geehrter Herr Pfarrer Menzel,

am 9.3.2012 soll im Gemeindehaus Ihrer Kirchengemeinde am Papenmarkt der 72. Bismarck-Kommers der Bielefelder Korporationsverbände stattfinden. Für uns ist das in keiner Weise nachvollziehbar.

Bei dem jährlichen Treffen der Studentenverbindungen und ihrer „alten Herren“ handelt es sich um eine Zusammenkunft, die einzig das Ziel verfolgt, antidemokratische und patriarchale Positionen in die Öffentlichkeit zu tragen. Die Bandbreite der teilnehmenden „Herren“ reichte in der Vergangenheit bis hin zu höchst aktiven Angehörigen der Neonazi-Szene.

Im Allgemeinen lehnen wir die Geschlechterbilder sowie das elitäre Gedankengut und die elitäre Praxis sämtlicher Studentenverbindungen ab, im Falle einzelner auch deren völkische Ideologie. Im Besonderen wenden wir uns gegen die Akzeptanz und Einbindung der örtlichen Burschenschaft Normannia-Nibelungen. Diese ist offen neonazistisch ausgerichtet. Mehrere ihrer Mitglieder nehmen auch als Privatpersonen eine tragende Rolle in der Neonazi-Szene ein.

Wir können und wollen uns ein christliches Gemeindehaus nicht als Treffpunkt von Neonazis und Kristallisationspunkt für menschenverachtende Werte vorstellen. Ebenso würden wir es als unglücklich erachten, mit unseren Protesten am 9.3. letztlich auch gegen Ihre Gemeinde demonstrieren zu müssen.

Aus diesem Grund rufen wir Sie eindringlich dazu auf, die Vermietung Ihrer Räumlichkeiten an die Veranstalter des Bismarck-Kommers rückgängig zu machen.

Mit freundlichen Grüßen,

Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) der Universität Bielefeld
Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) der Fachhochschule Bielefeld
DGB-Jugend OWL
GEW OWL
Jusos Bielefeld
AG freie Bildung
Fachschaft gender studies

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Bismarck-Kommers 2012 (update 28.2.2012)

Der Bismarck-Kommers soll in diesem Jahr am 9.3. stattfinden. Veranstaltungsort soll das Gemeindehaus der Neustädter Kirchengemeinde, Papenmarkt 10a, sein.

Infos, auch über Gegenaktivitäten, ganz bald hier.

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Außer Protest nichts Neues von der „Ideenwerkstatt“

+++ Kundgebung an der Schloßhofstraße (Höhe Hausnummer 89a) +++ Samstag, 05.11.2011, 9.15 Uhr +++

Am 05. und 06.11.2011 will die neofaschistische Bielefelder „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ erneut ihre jährliche „Ideenwerkstatt“ im Burschenschaftshaus an der Schloßhofstraße 96 durchführen.

Unter der in diesen Kreisen einzig als rhetorisch zu verstehenden Fragestellung „Die Völkerwanderungen des 21. Jahrhunderts – Fluch oder Segen für Europa?“ sollen wie auch in den vergangenen Jahren zahlreiche Referenten aus dem politischen Umfeld der Burschenschaft mit einzelnen Vertretern der „demokratischen Mitte“ zu einem scheinbar offenen Diskurs zusammenkommen.

Dabei reicht ein Blick auf eine eigens erstellte Linkliste zur „Ideenwerkstatt“ , die wohl der inhaltlichen Vorbereitung dienen soll, die übliche Intention des Ganzen zu erkennen: Mit dem ausgewiesenen Rassisten Volkmar Weiss, dem Islamfeind Rolf Stolz, dem Rechtspopulisten Udo Ulfkotte, dem Deutschtümler Stefan Luft und dem österreichischen Neofaschisten Andreas Mölzer ist nahezu das gesamte Spektrum der extremen Rechten vertreten. Lediglich für den offen nationalsozialistischen Flügel müssen dann die „Aktiven“ und „Alten Herren“ der Burschenschaft noch selbst sprechen – was zumindest den einschlägig bekannten Timo Kötter, Jan Ackermeier, Marc Strothe und Hendrik Stiewe nicht weiter schwerfallen dürfte.

So ruft das Bündnis gegen die Ideenwerkstatt nicht nur „die demokratischen Teilnehmer“ zum Boykott der Veranstaltung auf, sondern kündigt auch erstmalig eine Protestaktion gegen das nun bereits im siebten Jahr angekündigte Neonazi-Treffen mitten in Bielefeld an: Die antifaschistische Kundgebung beginnt am 05.11.2011 um 9.15 Uhr am Burschenschaftshaus in der Schloßhofstraße.

Weitere Informationen: [indymedia linksunten] und [hiergeblieben]
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