Veranstaltungshinweis

Im Rahmen des „Festival contre le racisme“, das vom 29.05.2012 bis 06.06.2012 u.a. an den Bielefelder Hochschulen stattfindet, wird eine Veranstaltung stattfinden, die sich mit den Geschlechteridentitäten in der Neonazi-Szene beschäftigt:

Vortrag: Straßenkämpfer und Vollzeit-Mütter? Männlichkeit(en) und Weiblichkeit(en) in der Neonaziszene

Dienstag, 29. Mai 2012, 18.00 Uhr | FH-Campus (Kurt-Schumacher-Str.) Gebäude D Raum 207

Referentin: Christiane Ritter (Antirassistisches Bildungsforum Rheinland)

Männliche Neonazis treten als Straßenkämpfer auf, halten Reden, übernehmen Ämter und begehen Gewalttaten, weibliche Neonazis sind für Kindererziehung und Familie zuständig, backen Kuchen, dürfen auch mal von Plakaten lächeln, halten sich ansonsten aber im Hintergrund und haben erst recht nichts zu sagen: Derartige Bilder über Frauen und Männer in der Neonazi-Szene sind weit verbreitet.

Wirft man jedoch einen genaueren Blick auf die Szene, wird schnell klar, dass die „Aufgabenverteilung“ längst nicht (mehr) so eindeutig ist. Frauen- wie auch Männerbilder haben sich ausdifferenziert, wenn auch biologistische Zuschreibungen weiterhin bestimmend sind.

Der Vortrag gibt einen Überblick über verschiedene Rollenbilder und das Verständnis von „Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“, Veränderungsprozesse werden aufgezeigt und daraus entstehende Konfliktlinien beschrieben.

Wie gehen Männer in der Neonazi-Szene mit selbstbewusst agierenden Frauen um? Wie vereinbaren Frauen öffentliches politisches Engagement mit den Ansprüchen, die an sie als „Erhalterinnen des Volkes“ gestellt werden? Und wie wirken sich gesamtgesellschaftliche Veränderungen im Geschlechterverhältnis auf die Szene aus? Wie werden entsprechende Debatten und Praxen rezipiert? Diese und andere Fragen werden von der Referentin aufgegriffen und bieten Ansätze für weitere Diskussionen im Anschluss an den Vortrag.

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die extrem rechten und/oder rassistischen Parteien, Organisationen oder Szenen angehören bzw. bereits in der Vergangenheit durch rassistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind oder an derartigen Veranstaltungen (z.B. „Bismarck-Kommers“!) teilgenommen haben, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen. Das Fotografieren und/oder Filmen in und vor dem Veranstaltungsraum ist untersagt, ebenso wie Tonmitschnitte der Veranstaltung.

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Neofaschistischer Festredner beim 72. Bismarck-Kommers – Widerstand gegen Studentenverbindungen bleibt dringend nötig

In einer gemeinsamen Pressemitteilung werten u.a. Jusos, Grüne Jugend, DGB-Jugend, FH-AStA und IBZ Bielefeld den Auftritt des notorischen Neofaschisten Karl-Heinz Kuhlmann als „Festredner“ beim „72. Bismarck-Kommers der Bielefelder Korporationsverbände“ am 9.3.2012 aus:

Neofaschistischer Festredner

Am 09.03.2012 hat im Gemeindehaus der Neustädter Marienkirche der „72. Bismarck-Kommers der Bielefelder Korporationsverbände“ stattgefunden.

Festredner war hier der Theologe Prof. Dr. Karl-Heinz Kuhlmann. Dieser verfügt bekanntermaßen über enge Verbindungen zu mindestens drei neofaschistischen Organisationen:
- Für die Wochenzeitung „Junge Freiheit“ trat er als Autor und tritt heute noch als eifriger Leserbriefschreiber mit offen rassistischen, antisemitischen und geschichtsrevisionistisch-revanchistischen Thesen auf.
- Dem „Institut für Staatspolitik“ stand er im Frühjahr 2011 als Referent zur Verfügung.
- Für das „Freundschaft- und Hilfswerk Ost e.V.“ ist er u.a. als Schirmherr tätig.

Besonders aus den Leserbriefen an die „Junge Freiheit“ ist Kuhlmanns Geisteshaltung seit Jahren bekannt. In unmissverständlich rassistischer Weise äußerte Kuhlmann sich hier bereits 2007:
„Hier sind endlich Klarstellungen nötig, die bisher leider von deutscher Seite ausgeblieben sind. Man redet da von ausländischen Mitbürgern, als ob jemand, der häufig die Sprache nicht beherrscht, der nicht alle Rechte und Pflichten übernehmen will, ein Mitbürger sein könnte. Gerade die Türken muß man unmißverständlich darauf hinweisen, daß die Deutschen als Bürger eines souveränen Staates das Recht und die Pflicht haben, ganz allein die Verhältnisse in ihrem eigenen Land zu bestimmen.“

2008 hat Kuhlmann dann seiner revanchistischen Haltung in der Diskussion um ein „Zentrum gegen Vertreibungen“ freien Lauf gelassen:
„Polen war und bleibt Täter! Um so unverständlicher ist der Eiertanz der Bundesregierung um dieses für jedes andere Volk selbstverständliche Zentrum. Hier eine Zustimmung Polens zu erwarten oder gar zu erbitten, ist eine unglaubliche Selbstdemütigung. Hier kann der noch nicht total umerzogene Deutsche nur Verachtung für seine eigene Regierung empfinden.“

2011 schlug Kuhlmann in diesem Zusammenhang auch antisemitische Töne an:
„Gegen alle politische Korrektheit kann ich dem Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland kein Recht zubilligen, darüber mitentscheiden zu wollen, ob Deutschland seinen aus der Heimat vertriebenen Landsleuten einen Gedenktag widmet. Auch Polen hat da gar nichts mitzubestimmen!“

2009 versuchte Kuhlmann gar, das Deutsche Reich von der Schuld am Zweiten Weltkrieg freizusprechen:
„Warum also mündete der deutsche Angriff auf Polen in den Zweiten Weltkrieg? Weil Großbritannien und Frankreich ihre Weltmachtrolle in Gefahr sahen und sich mit dem Vorspiel der Ereignisse um Danzig die Gelegenheit bot, den Konkurrenten Deutschland in die Schranken zu weisen.“

Diese Aufreihung ließe sich um etliche Beispiele fortsetzen, die das gesamte Themenspektrum der extremen Rechten umfassen.

Nach Medienberichten hetzte Kuhlmann erwartungsgemäß auch in seiner Rede im Gemeindehaus der Neustädter Marienkirche gegen Muslime und den Islam.

Ein breites Bündnis hatte bereits im Vorfeld der Veranstaltung darauf aufmerksam gemacht, dass es den Studentenverbindungen und ihren Altherrenschaften mit dem „Bismarck-Kommers“ einzig darum geht, antidemokratische Positionen in die Öffentlichkeit zu tragen. Mit dem diesjährigen Festredner wurde diese Prognose eindrucksvoll belegt.

Inbegriff für die „rohe Bürgerlichkeit“

Der renommierte Bielefelder Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer hat kürzlich im Rahmen der Verleihung des Göttinger Friedenspreises auf die Bedrohung durch Diskriminierungen aus vermeintlich bürgerlichen Positionen heraus hingewiesen: „Die ‚rohe Bürgerlichkeit‘ kommt versteckt daher und hat enormen Einfluss auf das öffentliche Klima. Sie findet ihren Ausdruck in einem Jargon der Verachtung gegenüber schwachen Gruppen und der rigorosen Verteidigung bzw. Einforderung einiger Etabliertenvorrechte im Duktus der Überlegenheit.“

Die Studentenverbindungen erfüllen diese Kriterien bürgerlicher Gewalt in besonderem Maße. Ohne selbst in als extrem rechts geltenden Kreisen tätig zu sein, zeichnen sie sich immer wieder aufs Neue – im Alltag wie zu besonderen Anlässen – durch menschenverachtende Strukturen und Positionen aus. Neben der nun aktuell in Bielefeld zu Tage getretenen Fremden- und Islamfeindlichkeit gilt das gleichermaßen für die Frauenfeindlichkeit, den Sozialdarwinismus und einen völkischen Nationalismus als einende Einstellungsmuster.

Sich wie am 09.03.2012 in Bielefeld geschehen, auf einen in neofaschistischen Kreisen reputierten Redner zu stützen, ist für den mühsam aufrecht erhaltenen bürgerlichen Anstrich der Studentenverbindungen nicht eben schlau, zeugt aber auch von einem enormen Selbstbewusstsein, von wichtigen Teilen der Öffentlichkeit weiterhin gefördert und gedeckt zu werden.

Bedenkliche Unterstützung von vielen Seiten

Es bleibt für uns weiterhin unfassbar, dass der „Bismarck-Kommers“ mitsamt der xenophoben Hetzrede des Karl-Heinz Kuhlmann in den Räumen einer als liberal geltenden Kirchengemeinde stattfinden konnte. Nach zunächst fruchtbar erscheinenden Gesprächen hat sich der verantwortliche Pfarrer Alfred Menzel leider der weiteren inhaltlichen Auseinandersetzung entzogen. Die Gemeindeleitung teilte schließlich mit, als Vermieterin sei die Neustädter Mariengemeinde „nicht mit den Inhalten, Geselligkeitsformen sowie Zielen des Veranstalters des Kommerses zu identifizieren“.

Dieser kuriosen Auffassung widersprechen wir auf das Entschiedenste. Erst durch die Anmietung öffentlicher Räume erhalten die Studentenverbindungen die Gelegenheit, ihre antidemokratischen Positionen wirksam in die Öffentlichkeit zu tragen. Alle Vermieter von Räumen an diese Gruppen – ob in der Vergangenheit, aktuell oder in Zukunft – machen sich so mitverantwortlich für das Geschehen.

Als entscheidendes Kriterium, die Vermietung der Räume nicht rückgängig zu machen, hat Pfarrer Alfred Menzel die Aussage des „Staatsschutz“ bei der Bielefelder Polizei herangezogen, der Festredner Kuhlmann sei „verfassungsmäßig nicht bedenklich“. Wo fängt für diesen „Staatsschutz“ eine verfassungsmäßige Bedenklichkeit an, wenn nicht bei einer Person, die zumindest drei neofaschistischen Organisationen nahesteht bzw. angehört?

Doch es sollte – nicht erst seit den Enthüllungen um die Terrororganisation „Nationalsozialistischer Untergrund“ – für gesellschaftlich interessierte und engagierte Menschen hinlänglich bekannt sein, dass von den zuständigen staatlichen Behörden keine Kompetenz gegen die extreme Rechte zu erwarten ist.

Zu den Unterstützern, die sich an der Verbreitung der korporierten Positionen mitverantwortlich machen, gehören auch diejenigen Personen, die eine Veranstaltung wie den „Bismarck-Kommers“ durch ihre Teilnahme aufwerten. Hier ist in diesem Jahr insbesondere der Bielefelder Bürgermeister Detlef Helling (CDU) zu nennen. Im Gegensatz zu Oberbürgermeister Clausen, der mit dem berechtigten Verweis auf den fremdenfeindlichen Charakter des Festredners die Einladung ausgeschlagen hatte, verbrachte Helling einen geselligen Abend auch mit seinen korporierten Parteifreunden wie dem Brackweder Bezirksabgeordneten Herbert Braß – um anschließend inmitten der Alten Herren für ein Pressefoto zu posieren.

Entschiedener Widerstand gegen den „Bismarck-Kommers“ bleibt bitter nötig

Es ist mehr als deutlich geworden, dass der halbherzige Ausschluss der offen neonazistischen „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ von der Veranstaltung – und auch das nur auf Wunsch des Vermieters der Räumlichkeiten – nicht über die im Korporationswesen weit verbreiteten Gesinnungen hinwegtäuschen kann.

Ebenso deutlich ist in diesem Jahr geworden, dass der Versuch der Studentenverbindungen, ihren Einfluss in die Mitte der Gesellschaft auszubauen, immer noch teilweise von Erfolg gekrönt ist.

Wir sehen daher die dringende Notwendigkeit, uns in den kommenden Jahren wieder in stärkerem und entschiedenerem Maße gegen die Studentenverbindungen und ihr Aushängeschild – den jährlichen „Bismarck-Kommers“ zu wenden.

In Bielefeld ist kein Platz für Ausgrenzung und Menschenverachtung!

Analyse und Kritik des Verbindungs(un)wesens [ak:mütze]
Jusos Bielefeld
Grüne Jugend Bielefeld
DGB-Jugend OWL
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Bielefeld
Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) der Fachhochschule Bielefeld
Juso-Hochschulgruppe Uni Bielefeld
Fachschaft Gender Studies Uni Bielefeld
YXK Bielefeld (Verband der Studierenden aus Kurdistan)
Internationales Begegnungszentrum-Friedenshaus e.V. (IBZ Bielefeld)
Antifaschistische Praxis in Bielefeld

[Download der Pressemitteilung vom 15.3.2012 als PDF-Datei, 99 kByte]

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Mahnwache gegen den Bismarck-Kommers am 9.3.2012 ab 19.30h

Auch in diesem Jahr wird der Bielefelder „Bismarck-Kommers“ nicht ohne wahrnehmbaren Protest am Ort des Geschehens vonstatten gehen. Eine Mahnwache für die Opfer neonazistischer Gewalt, rechtskonservativer Politik und der Unkultur des Wegsehens beginnt am Freitag, 9.3.2012 um 19.30h vor dem Gemeindehaus der Neustädter Marienkirche (Papenmarkt). Alle, die keine eigene Aktion im Rahmen des dezentralen Konzepts durchführen, können somit ihren Protest vor Ort zum Ausdruck bringen.

Wir erkennen den in diesem Jahr konsequent vollzogenen Ausschluss der neofaschistischen „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ vom Kommers durchaus als einen Schritt der Korporationen in Richtung demokratischer Gepflogenheiten an – und begreifen ihn zugleich als einen Erfolg unserer Kampagne in den beiden vergangenen Jahren – können dadurch alleine jedoch nicht von unserer allgemeinen Kritik am studentischen Verbindungswesen absehen [in aller Ausführlichkeit hier nachzulesen].

Mit der Aktionsform einer Mahnwache wollen wir demonstrieren, dass wir das Bielefelder Verbindungs(un)wesen inkl. der Einbindung von Neonazis und neofaschistischen Gruppen weiterhin kontinuierlich im Auge behalten, öffentliche Auftritte dieser Kreise weiterhin ablehnen und nicht zuletzt auch scharfe Kritik an derjenigen Kirchengemeinde zum Ausdruck bringen, die hierfür noch Räumlichkeiten zur Verfügung stellt!

Keinen Fußbreit dem Faschismus!
Selbstbestimmung statt Herrschaftszeiten!
Verbindungen kappen!

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Bismarck-Kommers im Gemeindehaus – Neustädter Kirchengemeinde entzieht sich der inhaltlichen Auseinandersetzung

Die Gemeindeleitung der Neustädter Marienkirche hält daran fest, ihre Räumlichkeiten an den „Regionalverbund der Alten Herren des Wingolfbundes“ zur Ausrichtung des „Bismarck-Kommers“ am 9.3.2012 zu vermieten.

Die – auch von mehreren Gemeindemitgliedern – zahlreich an die Gemeindeleitung herangetragene, ausführlich inhaltlich begründete Ablehnung dieser Vermietung, wird in einer heute veröffentlichten Stellungnahme der Gemeindeleitung vollständig ignoriert. Das betrifft u.a. die Fragestellung, inwieweit die Ausgrenzung und gesellschaftliche Herabsetzung von Frauen sich mit den Werten und Zielen der Kirchengemeinde verträgt. Mit der Bestätigung, den „Bismarck-Kommers“ im Gemeindehaus stattfinden lassen zu wollen, gibt die Gemeindeleitung jedoch eine traurige Antwort.

An Stelle einer inhaltlichen Stellungnahme verweist die Gemeindeleitung ausgerechnet auf den polizeilichen „Staatsschutz“, der dem Gros der Korporationen eine „Verfassungsmäßigkeit“ bescheinigt. Davon abgesehen, dass auch das keinerlei inhaltliches Kriterium darstellt, sollte insbesondere kurz nach den Vorgängen um die Neonazi-Terrororganisation „NSU“ allgemein bekannt sein, was grundsätzlich von den Einschätzungen solcher Stellen zu halten ist.

Sogar ein eigentlich selbstverständliches Hausverbot für die bekennenden Neofaschisten der „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ begründet die Gemeindeleitung mit keinem Wort inhaltlich, sondern ebenso unter Bezugnahme auf den polizeilichen „Staatsschutz“: „verfassungsmäßig bedenklich“

„Als Vermieterin ist die Neustädter Mariengemeinde nicht mit den Inhalten, Geselligkeitsformen sowie Zielen des Veranstalters des Kommerses als Mieter und seiner beteiligten Verbände zu identifizieren.“ – Diese Aussage der Gemeindeleitung ist schlicht und einfach falsch. Selbstverständlich ist die Gemeinde – wer sonst? – genau dafür verantwortlich, wem sie in vollem Bewusstsein zu welchem Zweck ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Eine zumindest teilweise Identifikation muss hier geradezu zwingend unterstellt werden.

Wir müssen uns mit unserem Protest am 9.3. nun auch ausdrücklich gegen die bewusst getroffene Entscheidung der Gemeindeleitung der Neustädter Marienkirchengemeinde wenden.

In Gedenken an die Opfer neonazistischen Terrors, rechtskonservativer Ausgrenzungspolitik und einer Kultur des Wegschauens!

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Erste Aufrufe zum Protest

An der Uni Bielefeld wurden erste Flyer gesichtet, die zum Protest gegen den diesjährigen Bielefelder „Bismarck-Kommers“ aufrufen. Sobald uns konkrete Informationen zu Gegenaktivitäten vorliegen, werden wir diese hier veröffentlichen.

Dezentrale Aktionen gegen den Bismarck-Kommers 2012

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Offener Brief an die Neustädter Kirchengemeinde

Die Allgemeinen Studierendenausschüsse an Uni und FH haben heute, gemeinsam mit weiteren Unterzeichner_innen, in einem „Offenen Brief“ an die Neustädter Kirchengemeinde dahingehend appelliert, die Vermietung an die örtlichen Studentenverbindungen zurückzuziehen. Nach bisherigem Stand soll der diesjährige „Bismarck-Kommers“ im Gemeindehaus dieser Kirchengemeinde stattfinden.

Offener Brief zum
„Bismarck-Kommers der Bielefelder Korporationsverbände“

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Gemeinde,
sehr geehrter Herr Pfarrer Menzel,

am 9.3.2012 soll im Gemeindehaus Ihrer Kirchengemeinde am Papenmarkt der 72. Bismarck-Kommers der Bielefelder Korporationsverbände stattfinden. Für uns ist das in keiner Weise nachvollziehbar.

Bei dem jährlichen Treffen der Studentenverbindungen und ihrer „alten Herren“ handelt es sich um eine Zusammenkunft, die einzig das Ziel verfolgt, antidemokratische und patriarchale Positionen in die Öffentlichkeit zu tragen. Die Bandbreite der teilnehmenden „Herren“ reichte in der Vergangenheit bis hin zu höchst aktiven Angehörigen der Neonazi-Szene.

Im Allgemeinen lehnen wir die Geschlechterbilder sowie das elitäre Gedankengut und die elitäre Praxis sämtlicher Studentenverbindungen ab, im Falle einzelner auch deren völkische Ideologie. Im Besonderen wenden wir uns gegen die Akzeptanz und Einbindung der örtlichen Burschenschaft Normannia-Nibelungen. Diese ist offen neonazistisch ausgerichtet. Mehrere ihrer Mitglieder nehmen auch als Privatpersonen eine tragende Rolle in der Neonazi-Szene ein.

Wir können und wollen uns ein christliches Gemeindehaus nicht als Treffpunkt von Neonazis und Kristallisationspunkt für menschenverachtende Werte vorstellen. Ebenso würden wir es als unglücklich erachten, mit unseren Protesten am 9.3. letztlich auch gegen Ihre Gemeinde demonstrieren zu müssen.

Aus diesem Grund rufen wir Sie eindringlich dazu auf, die Vermietung Ihrer Räumlichkeiten an die Veranstalter des Bismarck-Kommers rückgängig zu machen.

Mit freundlichen Grüßen,

Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) der Universität Bielefeld
Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) der Fachhochschule Bielefeld
DGB-Jugend OWL
GEW OWL
Jusos Bielefeld
AG freie Bildung
Fachschaft gender studies

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Bismarck-Kommers 2012 (update 28.2.2012)

Der Bismarck-Kommers soll in diesem Jahr am 9.3. stattfinden. Veranstaltungsort soll das Gemeindehaus der Neustädter Kirchengemeinde, Papenmarkt 10a, sein.

Infos, auch über Gegenaktivitäten, ganz bald hier.

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Außer Protest nichts Neues von der „Ideenwerkstatt“

+++ Kundgebung an der Schloßhofstraße (Höhe Hausnummer 89a) +++ Samstag, 05.11.2011, 9.15 Uhr +++

Am 05. und 06.11.2011 will die neofaschistische Bielefelder „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ erneut ihre jährliche „Ideenwerkstatt“ im Burschenschaftshaus an der Schloßhofstraße 96 durchführen.

Unter der in diesen Kreisen einzig als rhetorisch zu verstehenden Fragestellung „Die Völkerwanderungen des 21. Jahrhunderts – Fluch oder Segen für Europa?“ sollen wie auch in den vergangenen Jahren zahlreiche Referenten aus dem politischen Umfeld der Burschenschaft mit einzelnen Vertretern der „demokratischen Mitte“ zu einem scheinbar offenen Diskurs zusammenkommen.

Dabei reicht ein Blick auf eine eigens erstellte Linkliste zur „Ideenwerkstatt“ , die wohl der inhaltlichen Vorbereitung dienen soll, die übliche Intention des Ganzen zu erkennen: Mit dem ausgewiesenen Rassisten Volkmar Weiss, dem Islamfeind Rolf Stolz, dem Rechtspopulisten Udo Ulfkotte, dem Deutschtümler Stefan Luft und dem österreichischen Neofaschisten Andreas Mölzer ist nahezu das gesamte Spektrum der extremen Rechten vertreten. Lediglich für den offen nationalsozialistischen Flügel müssen dann die „Aktiven“ und „Alten Herren“ der Burschenschaft noch selbst sprechen – was zumindest den einschlägig bekannten Timo Kötter, Jan Ackermeier, Marc Strothe und Hendrik Stiewe nicht weiter schwerfallen dürfte.

So ruft das Bündnis gegen die Ideenwerkstatt nicht nur „die demokratischen Teilnehmer“ zum Boykott der Veranstaltung auf, sondern kündigt auch erstmalig eine Protestaktion gegen das nun bereits im siebten Jahr angekündigte Neonazi-Treffen mitten in Bielefeld an: Die antifaschistische Kundgebung beginnt am 05.11.2011 um 9.15 Uhr am Burschenschaftshaus in der Schloßhofstraße.

Weitere Informationen: [indymedia linksunten] und [hiergeblieben]
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Die Demonstration übertrifft alle Erwartungen (update 6.4.2011)

+++ Bis zu 200 Menschen beteiligen sich an Bündnisdemo +++ Überragende Außenwirkung mit 2000 verteilten Flugblättern +++ Polizei verhält sich friedlich und weitgehend kooperativ +++ Korporationen in Stadthalle isoliert +++

+++ Einen großen DANK an alle, die gestern noch kurzfristig „Jobs“ übernommen haben: Flugblattverteilung, Transpis, Lautischutz bis hin zur Demo-Moderation! +++

+++ Ein Demobericht ist online: [Indymedia] +++

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Dokumentation der Redebeiträge zur Demonstration am 1.4.2011

[Auftaktkundgebung]
[Zwischenkundgebung]
[Abschlusskundgebung]

Auftaktkundgebung vor dem Haus der „Burschenschaft Normannia-Nibelungen:

(Argumente und Kultur gegen Rechts e.V.)

In Bielefeld schafft es die NPD nicht einmal, einen Delegierten zu zentralen Parteiversammlungen zu entsenden. Statt der NPD ist in Bielefeld die Burschenschaft Normannia-Nibelungen die wichtigste Organisation der Extremen Rechten. Deshalb sind wir heute hier.

Wie ist die Normannia im studentischen Verbindungswesen positioniert? Die Normannia ist Teil des rechten Dachverbandes „Deutsche Burschenschaft“ (DB). Mitglieder der Normannia übernehmen Funktionen in der DB. Die Normannia gehört zum extrem rechten Flügel dieses Dachverbandes. Mit ihrer jährlichen „Ideenwerkstatt“ drängt sich die Normannia in den Kreis der profiliertesten Burschenschaften.

Getragen wird die Normannia von ca. 30 Männern. Wie im studentischen VerbindungsUNwesen üblich, versteht Mann sich als Lebensbund. Junge Männer, die noch Studenten sind, bilden die sogenannte „Aktivitas“. Ältere Männer, die im Beruf stehen, unterstützen die Normannia als sogenannte „Alte Herren“. Als Neonazis aktiv sind bei der Normannia Jung und Alt. Ja, auch unter den „Alten Herren“ sind höchst aktive Neonazis. Die „Alten Herren“ stellen ihre Beziehungen zur Verfügung und sie geben das Geld für das Treiben der Normannia. Wir können davon ausgehen, dass sie ihre Geldspenden sogar von der Steuer absetzen können. Denn in der Regel gelten die Vereine, die Häuser, wie jenes hier in der Schloßhofstraße 96 finanzieren, für das Finanzamt als gemeinnützig.

Es geht bei der Normannia-Nibelungen nicht um Konservatismus, es geht um Neonazismus. Welche Aktivitäten der Normannia sind es, die wir als neonazistisch bezeichnen? Von welchen Mitgliedern der Normannia wissen wir, dass sie in Neonazi-Strukturen aktiv sind?

Ein erstes Beispiel, Jan Ackermeier: Alter Herr der Normannia. Er lebt nun in Österreich. Dort war er Mitarbeiter eines dieser rechtspopulistischen FPÖ-Abgeordneten. Er hat etwas geschafft, das gar nicht so einfach ist. Er verlor diesen Job bei der FPÖ, weil er selbst für die FPÖ zu weit rechts steht. Ackermeier ist eines der aktivsten Mitglieder des Bundesvorstand der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland, kurz: JLO. Das bedeutet: Mit Jan Ackermeier ist auch ein Mitglied der Normannia verantwortlich für den größten Neonazi-Aufmarsch in Europa. Das ist der jährlich im Februar stattfindende sogenannte „Trauermarsch“ von Nazis aus ganz Europa in Dresden. Er wird von der JLO organisiert. Und weil die JLO Probleme mit ihrer Bankverbindung hat, bot der Normanne Ackermeier auf der letzten Jahreshauptversammlung der JLO an, dass alle Finanzgeschäfte künftig über sein Privatkonto abgewickelt werden könnten.

Ist Ackermeier ein Einzelfall? Oder gibt es weitere Verbindungen zwischen JLO und der Normannia-Nibelungen? Ja, die gibt es allerdings, und zwar schon seit mehr als 10 Jahren! Der Alte Herr Eike Duhme nahm in den 90er Jahren an Bundesversammlungen der JLO teil und war JLO-Organisator für Ostwestfalen. In dieser Funktion folgte ihm der Neonazi und ehemalige Aktivitas-Sprecher der Normannia, Marc Strothe. Und mit dem Bielefelder Hans Ulrich Thiele war ein häufiger Besucher des Normannia-Hauses früher stellvertretender Bundesvorsitzender der JLO. Ach ja: bis vor einiger Zeit war das zentrale Postfach des Bundesverbandes der JLO in Bielefeld. Wer das wohl betreut hat?

Auf den Punkt gebracht bedeutet dies: Die Normannia hat mit ihrem Personal wesentlichen Anteil daran, dass in Dresden bis zu 7.000 Nazis marschierten! Erst unser antifaschistischer Widerstand versperrte ihnen in den letzten beiden Jahren den Weg.

Wie die JLO steht auch die Normannia für ein Großdeutschland mindestens in den Grenzen von 1937. Darin bestärkt wird die Normannia auch vom Dachverband, der Deutschen Burschenschaft. Anders kann man beispielsweise einen Auftritt, wie jenen Rudi Pawelkas bei der Normannia, nicht bewerten. Pawelka gehört im „Bund der Vertriebenen“ zu den Hardlinern, die mit ihrem Handeln die staatliche Integrität unserer östlichen Nachbarstaaten und Russlands in Frage stellen.

Kommen wir zu einem anderen Thema, reden wir über die Holocaustleugnerszene. Auch hier ist die Normannia aktiv. Für Jörg Brinkmann, den Präsidenten der Normannia war der Auftritt des Holocaustleugners Horst Mahlers bei der Normannia 1999 kein Beleg dafür, dass die Normannia Kontakte in die Holocaustleugnerszene pflegt. Man habe Kritik an ihm gehabt. Ja, ja, das stimmt. Aber was für eine Kritik? Uns liegt ein Mailverkehr zwischen Mahler und dem ehemaligen Aktiven Marc Strothe vor. Kritisiert wird die Form, in der Mahler den Holocaust leugnet. Diese Form sei zu schnell kriminalisierbar. Am Inhalt, also an der Holocaustleugnung selbst, wird keinerlei Kritik geäußert.

In dieses Bild passt Christoph Amendt, ein ehemaliger Aktivitassprecher und Alter Herr der Normannia. Kameradschaftlich grüßt Amendt die wohl wichtigste Holocaustleugnerin, Ursula Haverbeck im inzwischen verbotenen Collegium Humanum. Haverbeck hatte bei der Normannia nach den Kontaktdaten von Jürgen Schwab, damals noch einer der Chefideologen der NPD, gefragt. Bei der Normannia konnte ihr kameradschaftlich geholfen werden. Kameradschaftlich sicher auch, weil Amendt Haverbeck schätzen lernen durfte, als er ein Seminar im Collegium Humanum besuchte.

Auch hier noch einmal auf den Punkt gebracht: Die Normannia grenzt sich nicht ab, sondern sie pflegte den kameradschaftlichen Kontakt in die Holocaustleugnerszene.

Und wenn man den Antisemitismus in dieser Hardcore-Variante nicht mag? Auch kein Problem. Dann bekommt man bei der Normannia eben durch Rogalla von Bieberstein seine Thesen von einem jüdischen Bolschewismus serviert. Und auch dies passt zur Deutschen Burschenschaft, in der übelster Antisemitismus eine lange Tradition hat. Weit vor 1933 wurde Juden die Mitgliedschaft in den Burschenschaften verwehrt. Man war „judenfrei“.

Stichwort Normannia und NPD-Kontakte: Mit dem Alten Herren Michael Niederjohann und dem Normannen-Fechtwart des letzten Jahres arbeiten zwei Normannia-Mitglieder an einer Zeitschrift mit, die von NPD-Funktionären organisiert wird. Dies belegt ein Protokoll der Redaktionssitzung der Zeitschrift „Umwelt & Aktiv“ aus Januar 2011. Gemeinsam mit NPD-Funktionären bringen Normannia-Mitglieder den Neonazis bei, auch das Thema Ökologie für ihre Propaganda zu nutzen.

Aber immer noch nicht genug. Normannia-Mitglieder sind auch im Bereich RechtsRock, der „Einstiegsdroge“ der Extremen Rechten aktiv. Mit dem Versandhandel „Wewelsburg-Records“ des Normannia-Mitglieds Hendrik Stiewe bedient man den Nazi-Skin und RechtsRock-Markt. Weiter geht es mit dem Normannia Mitglied Timo Kötter. Der tummelt sich in einem elitäreren Segment der extrem rechten Kulturszene. Er vertonte im Dark-Wave-Stil das sinnsuchende Geschreibsel eines Ernst Jüngers und bringt so den vermeintlich intellektuell anspruchsvolleren Rechten Inhalte der Konservativen Revolution nahe. Er wärmt so eine strikt antidemokratische Strömung auf, die wesentlich am Grab der Weimarer Republik mit geschaufelt hat.

Wo wir gerade bei antidemokratischem Elitedünkel à la Ernst Jünger sind: Ein solches Elitedenken bekommt man bei der Normannia auch in Vorträgen serviert. Volkmar Weiss referierte bei der Normannia seine biologistischen Thesen zur Intelligenzforschung.

Aber natürlich gibt es bei der Normannia auch reputierliche Referenten. Dr. Marco Arndt, der Leiter des Bildungswerks in der CDU-nahen Konrad Andenauer-Stiftung beispielsweise. Er war sich Ende 2007 nicht zu Schade vor diesem Nazihaufen zu referieren. Protokolliert wurde dieser Vortrag im übrigen vom Nazi-Rock-Aktivisten Hendrik Stiewe.

Und genau hier liegt unserer Meinung nach die große Gefahr der Normannia. Sie schafft es immer wieder, Referenten in ihr Haus zu laden, die mit ihrer Reputation den Nazis einen Persilschein ausstellen. Mit den „Alten Herren“ besitzt die Normannia ein Netzwerk, dass es ihr erlaubt, auch dort noch einen Fuß in die Tür zu bekommen, wo der NPD längst die Tür verschlossen ist. So werden Themen der Normannia diskussionswürdig gemacht. Dies ist ihre Stärke.

Dies ist aber auch ihre Schwäche, die wir als Antifaschisten nutzen werden. Die „Alten Herren“ – die Stützen dieser Gesellschaft – sie finanzieren die Nazi-Organisation Normannia Nibelungen.

Ihr dort drüben in der Schloßhofstraße 96 und sehr verehrten „Alten Herren“, wir kennen euch. Und wir wissen, wo ihr empfindlich seid. Wie fändet ihr es, wenn Antifaschisten aufzeigen, wen der hochverehrte Geschäftspartner oder der Nachbar in „bester“ Wohnlage, oder der geschätzte Arbeitskollege so finanziert?

Liebe Normannia: Das werden die nächsten Schritte sein, mit denen wir den Druck auf euch erhöhen – solange bis ihr euer Nazihaus dicht macht!

Ihr in der Schloßhofstraße 96, ihr seid höchst aktiver Teil der Extremen Rechten. Ihr seid Neonazis mit Verbindungen bis in die Mitte der Gesellschaft – Wir werden eure Verbindung kappen!

Zwischenkundgebung vor der Industrie- und Handelskammer Bielefeld:

(Antifaschistische Praxis in Bielefeld)

Studentenverbindungen verfolgen das sogenannte Lebensbundprinzip. Das heisst, eine Mitgliedschaft gilt im Regelfall bis ans Lebensende. Nach ihrer Aktivenzeit während des Studiums bleiben die Mitglieder ihrer Verbindung als sogenannte Alte Herren erhalten. Ab nun ist ihre Aufgabe, den Nachwuchs zu fördern. Dem kapitalistischen Normalzustand von Gewinnern und Verlierern, Arm und Reich, Unten und Oben begegnen die Studentenverbindungen mit diesem Konzept der Seilschaften. Durch Beziehungen und Bevorzugung soll die Chance ihrer Mitglieder erhöht werden, in einflussreiche Positionen zu gelangen, Macht zu erhalten, der Gewinnerseite anzugehören.

Dieses Konzept beinhaltet bei allen Bielefelder Studentenverbindungen die sexistische Komponente, ausschließlich Männern offen zu stehen. Frauen müssen bei dieser Art der Pöstchenvergabe außen vor bleiben. Manche Studentenverbindung reduziert den erlauchten Kreis noch anhand der Religionszugehörigkeit, der Staatsangehörigkeit oder – wie die Burschenschaft Normannia-Nibelungen – anhand der „Volkszugehörigkeit“ nach nationalsozialistischen Kriterien von „Blut und Boden“.

Die Bandbreite ist also groß, aber das Eine eint alle Studentenverbindungen: Sie spitzen die sozialen Rahmenbedingungen von Ausgrenzung und Ungleichheit noch zu. Dass in diesem erzkonservativen Milieu eben auch Platz für faschistische Ideologien ist, kann da nicht als bedauerliche Randerscheinung begriffen werden, sondern ist nur folgerichtig. Der ehemalige Bundesinnenminister Manfred Kanther, selbst Alter Herr eines studentischen Corps, hat die Sachlage präzise auf den Punkt gebracht: „Wir wollen auch weiterhin national gesinnte Menschen in alle führenden Berufe unserer Gesellschaft entsenden.“ Noch ehrlicher wäre nur die Formulierung „National gesinnte Männer“ gewesen…

Was hat das nun mit der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld zu tun? Hauptgeschäftsführer der hiesigen IHK ist Thomas Niehoff, gerne gesehener Ehrengast beim Bismarck-Kommers in der Stadthalle. Und: Alter Herr einer Studentenverbindung. Der Vorstands- und höheren Verwaltungsebene der IHK gehören 9 Personen an. Alle sind deutscher Herkunft, 8 von ihnen sind Männer.

Die Industrie- und Handelskammer ist nicht einfach irgendeine Interessenvertretung, sondern eine öffentlich-rechtliche Einrichtung, der alle Unternehmen der Region zwangsweise angehören. Wo lässt sich aktiv Einfluss auf die Karrieremöglichkeiten der bevorzugten Verbindungsbrüder nehmen, wenn nicht hier? Oder mit eigenen Worten von Thomas Niehoffs „Turnerschaft Hansea“: „Wir bieten einen leichten Einstieg in das Berufsleben durch Praktika in den Firmen und Kanzleien unserer Mitglieder“.

Der IHK-Vorsitzende Niehoff gehört als Alter Herr dem Dachverband „Coburger Convent“ an. Während dieser Dachverband selbst politisch schon der Grauzone zwischen Konservatismus und Neonazismus zuzurechnen ist, so unterhält seine Altherrenschaft über den Mega-Dachverband „Convent Deutscher Akademikerverbände“ intensive Beziehungen unter anderem zu dem völkisch-nationalistischen „Verband der Verein deutscher Studenten“ und zu der in weiten Teilen neonazistischen „Deutschen Burschenschaft“.

In Bielefeld wird der Dachverband des Herrn Niehoff durch dessen Heimatverbindung, die „Alte Leipziger Turnerschaft Hansea“, vertreten. Diese hat erst 2005 versucht, mit der ausgewiesenen Neonazi-Burschenschaft „Normannia-Nibelungen“ ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen: Die Gründung der „Ersten Bielefelder Schülerverbindung Teutonia“. Deren damalige Mitglieder sind dann auch heute teils auf dem Neonazi-Haus wiederzufinden. Als Kontaktadresse der inzwischen wieder eingeschlafenen Schülerverbindung wird bis heute das Haus von Niehoff’s „Turnerschaft Hansea“ angegeben. Erste Ansprechpartner sind die Neonazis Hendrik Stiewe und Timo Kötter.

Am heutigen Abend sitzt dieser Thomas Niehoff – womöglich erneut als Ehrengast – in der Stadthalle und feiert den Bismarck-Kommers gemeinsam mit den Bielefelder Studentenverbindungen – sowohl mit denen, die offen völkisch-nationalistische Prinzipien vertreten wie auch denen, die von sich sagen, christlich und liberal zu sein. Montag früh wird Thomas Niehoff wieder seine Männer-Etage in diesem Haus hier betreten – und weiterhin genau daran arbeiten: national gesinnte Männer in führende Berufe zu entsenden.

Sozialabbau, rassistische Gesetze, Geschlechtertrennung – die fortschreitende Zuspitzung der kapitalistischen Lebensverhältnisse. Antisoziale Politik. Und das Erstarken sexistischer, deutschtümelnder und auch faschistischer Bewegungen stehen für uns in einem direkten Zusammenhang. Das studentische Verbindungsunwesen ist _ein_ Ausdruck dieser Verhältnisse. Die Chefetage der IHK Bielefeld verdeutlicht ebenso exemplarisch die gesellschaftliche Brisanz des Verbindungsunwesens.

Wir stehen für Selbstbestimmung, Freiheit und Gleichheit. Und deshalb gibt es für uns an dieser Stelle nur eine Lösung:
Verbindungen kappen!
Seilschaften, Eliten und Männerbünde zerschlagen!
Studentenverbindungen auflösen!

Abschlusskundgebung vor der Stadthalle Bielefeld:

(Analyse und Kritik des Verbindungs(un)wesens [ak:mütze])

Wir demonstrieren hier heute gegen Studentenverbindungen und gegen den so genannten „Bismarck-Kommers“, der heute Abend in der Stadthalle vonstatten geht. Für unseren Protest haben wir viele gute Gründe:

Erstens: Studentenverbindungen stehen gegen jeden Gleichheitsgedanken, sondern stattdessen für die Förderung von Eliten! In ihren Netzwerken und Seilschaften von „Alten Herren“ und studentischem Nachwuchs protegieren sie ihre Mitglieder bei der Vergabe von Stellen und Posten. Sie konzentrieren sich dabei besonders auf gesellschaftliche Bereiche, in denen Macht, Einfluss und Geltung zusammenkommen. Ein Musterbeispiel in Bielefeld ist die Industrie- und Handelskammer, wo der Hauptgeschäftsführer gleichzeitig „Alter Herr“ einer Bielefelder Studentenverbindung ist.

Zweitens: Studentenverbindungen sind reine Männerbünde, grenzen Frauen aus ihren machtstrebenden Netzwerken aus, und verhalten sich damit sexistisch! Für alle Bielefelder Verbindungen gilt: Frauen sind unerwünscht. Zwar werden sie gerne als schmückendes Beiwerk bei manchen Veranstaltungen gesehen. Mitglieder sollen sie aber nicht sein. Es zeigt sich hier der alte Geist, wonach ausschließlich Männer eine Gesellschaft anführen und gestalten sollen. Diese Jahrhunderte alte patriarchale Logik sehen die Studentenverbindungen bedroht und wollen mit allen Mitteln gegensteuern.

Drittens: Nicht alle, aber viele Studentenverbindungen sind völkisch, nationalistisch und rassistisch. Sie beziehen sich auf die deutsche Kultur, das deutsche Wesen. Auf deutsche Interessen im Hier und Jetzt. So nehmen viele Verbindungen nur deutsche oder als solche betrachtete Mitglieder auf. Andere verlangen nach Gutsherrenart eine Unterordnung in Punkto Weltsicht und Verhalten. Das kann die Religionszugehörigkeit sein, das Erscheinungsbild oder einfach die Bereitschaft, sich nach fragwürdigen Traditionen erziehen zu lassen.

Die Studentenverbindungen stehen nicht im luftleeren Raum, sondern nehmen gesellschaftlichen Einfluss. Das zeigt auch ein Blick auf die Ehrengäste der heutigen Veranstaltung in der Stadthalle: Etliche Vertreter aus Politik und Wirtschaft kommen hier mit den Ewiggestrigen zusammen. Deshalb lässt sich das Treiben der Studentenverbindungen nicht einfach als witziges Kostümfest oder harmloses Besäufnis abtun.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich unter den Bielefelder Verbindungsstudenten auch zahlreiche Neonazis tummeln. Die „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ ist ein Sammelbecken für diese Szene. Ob aus dem Bereich des RechtsRock, der Revanchisten oder der militanten Nazi-Szene. Sie alle waren und sind hier gerne gesehen. Eine direkte Zusammenarbeit besteht zwischen diesen ausgewiesenen Neonazis und der „Alten Turnerschaft Hansea“. Hier trifft Neonazi-Szene auf Industrie- und Handelskammer. Biedermänner und Brandstifter!

Die in diesem Jahr für den „Bismarck-Kommers“ verantwortliche katholische Studentenverbindung nimmt ebenfalls keine rühmliche Rolle ein. Auf der einen Seite distanziert sie sich von den allzu unverhohlenen Nazis. Zum anderen bietet sie deren direkten Unterstützern mal wieder ein Forum zur Selbstdarstellung. Ob das die oft beschworenen christlichen Werte sein sollen? Wir würden eher von Verharmlosung und Korpsgeist sprechen!

ALLE Studentenverbindungen sind rückständig, ausgrenzend und antidemokratisch!
ALLE Studentenverbindungen sollten kalter Kaffee und Schnee von gestern sein!

So lange das nicht geschehen ist,
so lange Bielefelder Politiker diese Kreise noch beehren und hofieren,
so lange die Bielefelder Stadthalle für solche Veranstaltungen herhalten muss,
so lange werden wir unseren Protest auf die Straße tragen!

Denn hier und heute gilt wie immer und überall:
Für Selbstbestimmung, Gleichheit und Freiheit!
Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!
Seilschaften, Eliten und Männerbünde in die Tonne!
Verbindungen auflösen!

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