Hochkarätige Referenten in Bielefeld

Vom 18.1.2011 bis 10.3.2011 veranstaltet die Gruppe Analyse & Kritik des Verbindungs(un)wesens [ak:mütze] mit Unterstützung des AStA der Uni Bielefeld eine Vortragsreihe:

Das Verbindungs(un)wesen – eine Veranstaltungsreihe

Alle Jahre wieder findet in der Bielefelder Stadthalle der „Bismarck-Kommers der Bielefelder Korporationsverbände“ statt. Bei dieser Veranstaltung handelt es sich um ein Treffen verschiedener Studentenverbindungen und Burschenschaften, flankiert durch Ehrengäste aus Wirtschaft, Politik und weiteren Repräsentanten öffentlicher Einrichtungen.

Warum es sich bei diesem „Bismarck-Kommers“ keineswegs nur um ein harmloses Stelldichein einiger wirrer Kostümierungsfreaks handelt, wollen wir mit unserer Veranstaltungsreihe dokumentieren.

Ein zentraler Blick gilt hierbei den Ideologien und Strukturen, die sich übergreifend durch das Verbindungsunwesen ziehen – ganz egal ob es sich um eine offen neofaschistische Burschenschaft wie die „Normannia-Nibelungen“ oder sich in der demokratischen Mitte wähnende Studentenverbindungen wie die meisten anderen der örtlichen Korporationen handelt.

Zum Ende der Reihe befassen wir uns auch mit den Gegenaktivitäten zum diesjährigen „Bismarck-Kommers“. Denn eins steht mal fest: Das Leben ist schöner – lauter und bunter – ohne Band und Mütze. Wir sagen: Verbindungen kappen!


    Hinweis zum Hausrecht:
    Personen, die extrem rechten Parteien oder Organisationen angehören, der neonazistischen Szene zuzuordnen sind, oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, sind von den Veranstaltungen ausgeschlossen. Die Veranstaltenden behalten es sich darüber hinaus vor, farben- und uniformtragende Besucher von den Veranstaltungen auszuschließen.

Das Binnenleben der Studentenverbindungen

Bunte Kappen auf dem Kopf, bunte Bänder über dem Oberkörper – gewöhnlich fallen Mitglieder von Studentenverbindungen in der Öffentlichkeit durch ihr eigentümliches Outfit auf. Bekannt sind Studentenverbindungen außerdem dafür, dass sie Seilschaften bilden und große Mengen an Bier konsumieren.

Weniger bekannt sind einige Charakteristika, die in gesellschaftlicher und politischer Perspektive wohl folgenreicher sind. Die meisten Studentenverbindungen sind reine Männerbünde. Viele nehmen darüber hinaus auch keine Migranten auf. Einige manifestieren in Zweikämpfen mit scharfen Fechtwaffen, sogenannten Mensuren, ihr antiquiertes Macho-Männerbild. Schließlich sind viele von ihnen bis heute recht elitär. Alle sind dabei strukturkonservativ sowie tendenziell autoritär geprägt.

Der Vortrag informiert über Gemeinsamkeiten und über Unterschiede im Binnenleben der vielen verschiedenen Arten von Studentenverbindungen in Deutschland und Österreich und gibt einen Überblick über ihre unterschiedlichen Dachverbände.

Referent: Jörg Kronauer (Antirassistisches Bildungsforum Rheinland)

Dienstag, 18.01.2011, 19.00 Uhr
Universität Bielefeld (Raum R2-155)

Völkische Politik in Studentenverbindungen

Die NPD macht sich Hoffnung. Sie setze nach ihren Wahlerfolgen in Sachsen auf „eine steigende Attraktivität der Partei für Akademiker“ und auf eine „Sogwirkung im rechtsgerichteten Studenten- und Verbindungsmilieu“, schrieb Ende 2009 die Verbandszeitschrift der Deutschen Burschenschaft, die Burschenschaftlichen Blätter. Tatsächlich sind eine ganze Reihe von Burschenschaften seit je im Umfeld der extremen Rechten aktiv.

Mittlerweile beginnen sich weitere Studentenverbindungen, so zum Beispiel Bünde aus dem Dachverband Coburger Convent, für Strukturen etwa der sogenannten Neuen Rechten zu öffnen. Basis ist oft ein völkisches Denken, das das Deutschtum über alles stellt; gelegentlich führt es sogar zu ernsthaften Spekulationen, ob Deutschland nicht eigentlich größer sei als die Bundesrepublik.

Historisch ist das nicht neu: Viele Verbindungsstudenten bekämpften in den 1920er Jahren die damals noch junge Demokratie und beteiligten sich zu Beginn der 1930er Jahre an der Nazifizierung der deutschen Universitäten. Der Vortrag bietet einen Überblick über Geschichte und Gegenwart völkischer Politik in Studentenverbindungen.

Referent: Jörg Kronauer (Antirassistisches Bildungsforum Rheinland)

Dienstag, 01.02.2011, 19.00 Uhr
Universität Bielefeld (Raum R2-155)

Elite sein: wie und für welche Gesellschaft sozialisiert eine studentische Korporation?

Das Ziel der studentischen rechtskonservativ gesinnten Korporationen ist es, eine männliche Elite zu reproduzieren. Und das tun sie seit über 150 Jahren nahezu unabhängig vom Staatssystem mit großem Erfolg. Führende Politiker und wichtige Personen aus Wirtschaft und Wissenschaft zählten und zählen zu ihren Mitgliedern.

Corps (Manfred Kanther, Hanns-Eberhard Schleyer), Burschenschaften (Norbert Gansel), Landsmannschaften (Günter Öttinger) oder CV (Jürgen Rüttgers, Friedrich Merz), es sind meist reine Männerbünde, deren Ziel die gegenseitige Unterstützung ist. Woher kommt das, wie funktioniert es, was macht einen Korporierten aus und vor allem, wie sind sie organisiert?

Der Vortrag zeigt die Mechanismen informeller männlich-elitärer Netzwerkbildung auf verschiedenen Ebenen auf und diskutiert diese auch im Zusammenhang aktueller Bildungspolitik.

Referent: Dr. Stephan Peters (Heidelberger Wissenschaftsberatung)

Dienstag, 15.02.2011, 19.30 Uhr
BürgerInnenwache am Siegfriedplatz

Das Korporationswesen in Bielefeld

So überschaubar und heterogen die Bielefelder Verbindungslandschaft auch ist – der jährlich stattfindende „Bismarck-Kommers“ zeigt die andere Seite auf: Offen auftretende Neonazis, führende gesellschaftliche RepräsentantInnen und das gesamte Spektrum der Korporierten feiern unter beträchtlicher Aufmerksamkeit der Medien gemeinsam in der Stadthalle. Hier fallen sowohl die vorgeblichen Unterschiede zwischen den verschiedenen beteiligten Gruppen und Personen unter den Tisch, wie auch eine gesellschaftliche Relevanz offenkundig wird, die durch die zahlenmäßige Präsenz der Bielefelder Korporationen alleine nicht zu erklären ist.

Ein/e Referent/in antifaschistischer Gruppen aus OWL stellt die örtliche Situation dar und informiert über Gegenaktivitäten zum anstehenden „Bismarck-Kommers“.

Donnerstag, 10.03.2011, 19.30 Uhr
BürgerInnenwache am Siegfriedplatz

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