Bismarck-Kommers im Gemeindehaus – Neustädter Kirchengemeinde entzieht sich der inhaltlichen Auseinandersetzung

Die Gemeindeleitung der Neustädter Marienkirche hält daran fest, ihre Räumlichkeiten an den „Regionalverbund der Alten Herren des Wingolfbundes“ zur Ausrichtung des „Bismarck-Kommers“ am 9.3.2012 zu vermieten.

Die – auch von mehreren Gemeindemitgliedern – zahlreich an die Gemeindeleitung herangetragene, ausführlich inhaltlich begründete Ablehnung dieser Vermietung, wird in einer heute veröffentlichten Stellungnahme der Gemeindeleitung vollständig ignoriert. Das betrifft u.a. die Fragestellung, inwieweit die Ausgrenzung und gesellschaftliche Herabsetzung von Frauen sich mit den Werten und Zielen der Kirchengemeinde verträgt. Mit der Bestätigung, den „Bismarck-Kommers“ im Gemeindehaus stattfinden lassen zu wollen, gibt die Gemeindeleitung jedoch eine traurige Antwort.

An Stelle einer inhaltlichen Stellungnahme verweist die Gemeindeleitung ausgerechnet auf den polizeilichen „Staatsschutz“, der dem Gros der Korporationen eine „Verfassungsmäßigkeit“ bescheinigt. Davon abgesehen, dass auch das keinerlei inhaltliches Kriterium darstellt, sollte insbesondere kurz nach den Vorgängen um die Neonazi-Terrororganisation „NSU“ allgemein bekannt sein, was grundsätzlich von den Einschätzungen solcher Stellen zu halten ist.

Sogar ein eigentlich selbstverständliches Hausverbot für die bekennenden Neofaschisten der „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ begründet die Gemeindeleitung mit keinem Wort inhaltlich, sondern ebenso unter Bezugnahme auf den polizeilichen „Staatsschutz“: „verfassungsmäßig bedenklich“

„Als Vermieterin ist die Neustädter Mariengemeinde nicht mit den Inhalten, Geselligkeitsformen sowie Zielen des Veranstalters des Kommerses als Mieter und seiner beteiligten Verbände zu identifizieren.“ – Diese Aussage der Gemeindeleitung ist schlicht und einfach falsch. Selbstverständlich ist die Gemeinde – wer sonst? – genau dafür verantwortlich, wem sie in vollem Bewusstsein zu welchem Zweck ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Eine zumindest teilweise Identifikation muss hier geradezu zwingend unterstellt werden.

Wir müssen uns mit unserem Protest am 9.3. nun auch ausdrücklich gegen die bewusst getroffene Entscheidung der Gemeindeleitung der Neustädter Marienkirchengemeinde wenden.

In Gedenken an die Opfer neonazistischen Terrors, rechtskonservativer Ausgrenzungspolitik und einer Kultur des Wegschauens!

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