Die Demonstration übertrifft alle Erwartungen (update 6.4.2011)

+++ Bis zu 200 Menschen beteiligen sich an Bündnisdemo +++ Überragende Außenwirkung mit 2000 verteilten Flugblättern +++ Polizei verhält sich friedlich und weitgehend kooperativ +++ Korporationen in Stadthalle isoliert +++

+++ Einen großen DANK an alle, die gestern noch kurzfristig „Jobs“ übernommen haben: Flugblattverteilung, Transpis, Lautischutz bis hin zur Demo-Moderation! +++

+++ Ein Demobericht ist online: [Indymedia] +++

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Dokumentation der Redebeiträge zur Demonstration am 1.4.2011

[Auftaktkundgebung]
[Zwischenkundgebung]
[Abschlusskundgebung]

Auftaktkundgebung vor dem Haus der „Burschenschaft Normannia-Nibelungen:

(Argumente und Kultur gegen Rechts e.V.)

In Bielefeld schafft es die NPD nicht einmal, einen Delegierten zu zentralen Parteiversammlungen zu entsenden. Statt der NPD ist in Bielefeld die Burschenschaft Normannia-Nibelungen die wichtigste Organisation der Extremen Rechten. Deshalb sind wir heute hier.

Wie ist die Normannia im studentischen Verbindungswesen positioniert? Die Normannia ist Teil des rechten Dachverbandes „Deutsche Burschenschaft“ (DB). Mitglieder der Normannia übernehmen Funktionen in der DB. Die Normannia gehört zum extrem rechten Flügel dieses Dachverbandes. Mit ihrer jährlichen „Ideenwerkstatt“ drängt sich die Normannia in den Kreis der profiliertesten Burschenschaften.

Getragen wird die Normannia von ca. 30 Männern. Wie im studentischen VerbindungsUNwesen üblich, versteht Mann sich als Lebensbund. Junge Männer, die noch Studenten sind, bilden die sogenannte „Aktivitas“. Ältere Männer, die im Beruf stehen, unterstützen die Normannia als sogenannte „Alte Herren“. Als Neonazis aktiv sind bei der Normannia Jung und Alt. Ja, auch unter den „Alten Herren“ sind höchst aktive Neonazis. Die „Alten Herren“ stellen ihre Beziehungen zur Verfügung und sie geben das Geld für das Treiben der Normannia. Wir können davon ausgehen, dass sie ihre Geldspenden sogar von der Steuer absetzen können. Denn in der Regel gelten die Vereine, die Häuser, wie jenes hier in der Schloßhofstraße 96 finanzieren, für das Finanzamt als gemeinnützig.

Es geht bei der Normannia-Nibelungen nicht um Konservatismus, es geht um Neonazismus. Welche Aktivitäten der Normannia sind es, die wir als neonazistisch bezeichnen? Von welchen Mitgliedern der Normannia wissen wir, dass sie in Neonazi-Strukturen aktiv sind?

Ein erstes Beispiel, Jan Ackermeier: Alter Herr der Normannia. Er lebt nun in Österreich. Dort war er Mitarbeiter eines dieser rechtspopulistischen FPÖ-Abgeordneten. Er hat etwas geschafft, das gar nicht so einfach ist. Er verlor diesen Job bei der FPÖ, weil er selbst für die FPÖ zu weit rechts steht. Ackermeier ist eines der aktivsten Mitglieder des Bundesvorstand der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland, kurz: JLO. Das bedeutet: Mit Jan Ackermeier ist auch ein Mitglied der Normannia verantwortlich für den größten Neonazi-Aufmarsch in Europa. Das ist der jährlich im Februar stattfindende sogenannte „Trauermarsch“ von Nazis aus ganz Europa in Dresden. Er wird von der JLO organisiert. Und weil die JLO Probleme mit ihrer Bankverbindung hat, bot der Normanne Ackermeier auf der letzten Jahreshauptversammlung der JLO an, dass alle Finanzgeschäfte künftig über sein Privatkonto abgewickelt werden könnten.

Ist Ackermeier ein Einzelfall? Oder gibt es weitere Verbindungen zwischen JLO und der Normannia-Nibelungen? Ja, die gibt es allerdings, und zwar schon seit mehr als 10 Jahren! Der Alte Herr Eike Duhme nahm in den 90er Jahren an Bundesversammlungen der JLO teil und war JLO-Organisator für Ostwestfalen. In dieser Funktion folgte ihm der Neonazi und ehemalige Aktivitas-Sprecher der Normannia, Marc Strothe. Und mit dem Bielefelder Hans Ulrich Thiele war ein häufiger Besucher des Normannia-Hauses früher stellvertretender Bundesvorsitzender der JLO. Ach ja: bis vor einiger Zeit war das zentrale Postfach des Bundesverbandes der JLO in Bielefeld. Wer das wohl betreut hat?

Auf den Punkt gebracht bedeutet dies: Die Normannia hat mit ihrem Personal wesentlichen Anteil daran, dass in Dresden bis zu 7.000 Nazis marschierten! Erst unser antifaschistischer Widerstand versperrte ihnen in den letzten beiden Jahren den Weg.

Wie die JLO steht auch die Normannia für ein Großdeutschland mindestens in den Grenzen von 1937. Darin bestärkt wird die Normannia auch vom Dachverband, der Deutschen Burschenschaft. Anders kann man beispielsweise einen Auftritt, wie jenen Rudi Pawelkas bei der Normannia, nicht bewerten. Pawelka gehört im „Bund der Vertriebenen“ zu den Hardlinern, die mit ihrem Handeln die staatliche Integrität unserer östlichen Nachbarstaaten und Russlands in Frage stellen.

Kommen wir zu einem anderen Thema, reden wir über die Holocaustleugnerszene. Auch hier ist die Normannia aktiv. Für Jörg Brinkmann, den Präsidenten der Normannia war der Auftritt des Holocaustleugners Horst Mahlers bei der Normannia 1999 kein Beleg dafür, dass die Normannia Kontakte in die Holocaustleugnerszene pflegt. Man habe Kritik an ihm gehabt. Ja, ja, das stimmt. Aber was für eine Kritik? Uns liegt ein Mailverkehr zwischen Mahler und dem ehemaligen Aktiven Marc Strothe vor. Kritisiert wird die Form, in der Mahler den Holocaust leugnet. Diese Form sei zu schnell kriminalisierbar. Am Inhalt, also an der Holocaustleugnung selbst, wird keinerlei Kritik geäußert.

In dieses Bild passt Christoph Amendt, ein ehemaliger Aktivitassprecher und Alter Herr der Normannia. Kameradschaftlich grüßt Amendt die wohl wichtigste Holocaustleugnerin, Ursula Haverbeck im inzwischen verbotenen Collegium Humanum. Haverbeck hatte bei der Normannia nach den Kontaktdaten von Jürgen Schwab, damals noch einer der Chefideologen der NPD, gefragt. Bei der Normannia konnte ihr kameradschaftlich geholfen werden. Kameradschaftlich sicher auch, weil Amendt Haverbeck schätzen lernen durfte, als er ein Seminar im Collegium Humanum besuchte.

Auch hier noch einmal auf den Punkt gebracht: Die Normannia grenzt sich nicht ab, sondern sie pflegte den kameradschaftlichen Kontakt in die Holocaustleugnerszene.

Und wenn man den Antisemitismus in dieser Hardcore-Variante nicht mag? Auch kein Problem. Dann bekommt man bei der Normannia eben durch Rogalla von Bieberstein seine Thesen von einem jüdischen Bolschewismus serviert. Und auch dies passt zur Deutschen Burschenschaft, in der übelster Antisemitismus eine lange Tradition hat. Weit vor 1933 wurde Juden die Mitgliedschaft in den Burschenschaften verwehrt. Man war „judenfrei“.

Stichwort Normannia und NPD-Kontakte: Mit dem Alten Herren Michael Niederjohann und dem Normannen-Fechtwart des letzten Jahres arbeiten zwei Normannia-Mitglieder an einer Zeitschrift mit, die von NPD-Funktionären organisiert wird. Dies belegt ein Protokoll der Redaktionssitzung der Zeitschrift „Umwelt & Aktiv“ aus Januar 2011. Gemeinsam mit NPD-Funktionären bringen Normannia-Mitglieder den Neonazis bei, auch das Thema Ökologie für ihre Propaganda zu nutzen.

Aber immer noch nicht genug. Normannia-Mitglieder sind auch im Bereich RechtsRock, der „Einstiegsdroge“ der Extremen Rechten aktiv. Mit dem Versandhandel „Wewelsburg-Records“ des Normannia-Mitglieds Hendrik Stiewe bedient man den Nazi-Skin und RechtsRock-Markt. Weiter geht es mit dem Normannia Mitglied Timo Kötter. Der tummelt sich in einem elitäreren Segment der extrem rechten Kulturszene. Er vertonte im Dark-Wave-Stil das sinnsuchende Geschreibsel eines Ernst Jüngers und bringt so den vermeintlich intellektuell anspruchsvolleren Rechten Inhalte der Konservativen Revolution nahe. Er wärmt so eine strikt antidemokratische Strömung auf, die wesentlich am Grab der Weimarer Republik mit geschaufelt hat.

Wo wir gerade bei antidemokratischem Elitedünkel à la Ernst Jünger sind: Ein solches Elitedenken bekommt man bei der Normannia auch in Vorträgen serviert. Volkmar Weiss referierte bei der Normannia seine biologistischen Thesen zur Intelligenzforschung.

Aber natürlich gibt es bei der Normannia auch reputierliche Referenten. Dr. Marco Arndt, der Leiter des Bildungswerks in der CDU-nahen Konrad Andenauer-Stiftung beispielsweise. Er war sich Ende 2007 nicht zu Schade vor diesem Nazihaufen zu referieren. Protokolliert wurde dieser Vortrag im übrigen vom Nazi-Rock-Aktivisten Hendrik Stiewe.

Und genau hier liegt unserer Meinung nach die große Gefahr der Normannia. Sie schafft es immer wieder, Referenten in ihr Haus zu laden, die mit ihrer Reputation den Nazis einen Persilschein ausstellen. Mit den „Alten Herren“ besitzt die Normannia ein Netzwerk, dass es ihr erlaubt, auch dort noch einen Fuß in die Tür zu bekommen, wo der NPD längst die Tür verschlossen ist. So werden Themen der Normannia diskussionswürdig gemacht. Dies ist ihre Stärke.

Dies ist aber auch ihre Schwäche, die wir als Antifaschisten nutzen werden. Die „Alten Herren“ – die Stützen dieser Gesellschaft – sie finanzieren die Nazi-Organisation Normannia Nibelungen.

Ihr dort drüben in der Schloßhofstraße 96 und sehr verehrten „Alten Herren“, wir kennen euch. Und wir wissen, wo ihr empfindlich seid. Wie fändet ihr es, wenn Antifaschisten aufzeigen, wen der hochverehrte Geschäftspartner oder der Nachbar in „bester“ Wohnlage, oder der geschätzte Arbeitskollege so finanziert?

Liebe Normannia: Das werden die nächsten Schritte sein, mit denen wir den Druck auf euch erhöhen – solange bis ihr euer Nazihaus dicht macht!

Ihr in der Schloßhofstraße 96, ihr seid höchst aktiver Teil der Extremen Rechten. Ihr seid Neonazis mit Verbindungen bis in die Mitte der Gesellschaft – Wir werden eure Verbindung kappen!

Zwischenkundgebung vor der Industrie- und Handelskammer Bielefeld:

(Antifaschistische Praxis in Bielefeld)

Studentenverbindungen verfolgen das sogenannte Lebensbundprinzip. Das heisst, eine Mitgliedschaft gilt im Regelfall bis ans Lebensende. Nach ihrer Aktivenzeit während des Studiums bleiben die Mitglieder ihrer Verbindung als sogenannte Alte Herren erhalten. Ab nun ist ihre Aufgabe, den Nachwuchs zu fördern. Dem kapitalistischen Normalzustand von Gewinnern und Verlierern, Arm und Reich, Unten und Oben begegnen die Studentenverbindungen mit diesem Konzept der Seilschaften. Durch Beziehungen und Bevorzugung soll die Chance ihrer Mitglieder erhöht werden, in einflussreiche Positionen zu gelangen, Macht zu erhalten, der Gewinnerseite anzugehören.

Dieses Konzept beinhaltet bei allen Bielefelder Studentenverbindungen die sexistische Komponente, ausschließlich Männern offen zu stehen. Frauen müssen bei dieser Art der Pöstchenvergabe außen vor bleiben. Manche Studentenverbindung reduziert den erlauchten Kreis noch anhand der Religionszugehörigkeit, der Staatsangehörigkeit oder – wie die Burschenschaft Normannia-Nibelungen – anhand der „Volkszugehörigkeit“ nach nationalsozialistischen Kriterien von „Blut und Boden“.

Die Bandbreite ist also groß, aber das Eine eint alle Studentenverbindungen: Sie spitzen die sozialen Rahmenbedingungen von Ausgrenzung und Ungleichheit noch zu. Dass in diesem erzkonservativen Milieu eben auch Platz für faschistische Ideologien ist, kann da nicht als bedauerliche Randerscheinung begriffen werden, sondern ist nur folgerichtig. Der ehemalige Bundesinnenminister Manfred Kanther, selbst Alter Herr eines studentischen Corps, hat die Sachlage präzise auf den Punkt gebracht: „Wir wollen auch weiterhin national gesinnte Menschen in alle führenden Berufe unserer Gesellschaft entsenden.“ Noch ehrlicher wäre nur die Formulierung „National gesinnte Männer“ gewesen…

Was hat das nun mit der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld zu tun? Hauptgeschäftsführer der hiesigen IHK ist Thomas Niehoff, gerne gesehener Ehrengast beim Bismarck-Kommers in der Stadthalle. Und: Alter Herr einer Studentenverbindung. Der Vorstands- und höheren Verwaltungsebene der IHK gehören 9 Personen an. Alle sind deutscher Herkunft, 8 von ihnen sind Männer.

Die Industrie- und Handelskammer ist nicht einfach irgendeine Interessenvertretung, sondern eine öffentlich-rechtliche Einrichtung, der alle Unternehmen der Region zwangsweise angehören. Wo lässt sich aktiv Einfluss auf die Karrieremöglichkeiten der bevorzugten Verbindungsbrüder nehmen, wenn nicht hier? Oder mit eigenen Worten von Thomas Niehoffs „Turnerschaft Hansea“: „Wir bieten einen leichten Einstieg in das Berufsleben durch Praktika in den Firmen und Kanzleien unserer Mitglieder“.

Der IHK-Vorsitzende Niehoff gehört als Alter Herr dem Dachverband „Coburger Convent“ an. Während dieser Dachverband selbst politisch schon der Grauzone zwischen Konservatismus und Neonazismus zuzurechnen ist, so unterhält seine Altherrenschaft über den Mega-Dachverband „Convent Deutscher Akademikerverbände“ intensive Beziehungen unter anderem zu dem völkisch-nationalistischen „Verband der Verein deutscher Studenten“ und zu der in weiten Teilen neonazistischen „Deutschen Burschenschaft“.

In Bielefeld wird der Dachverband des Herrn Niehoff durch dessen Heimatverbindung, die „Alte Leipziger Turnerschaft Hansea“, vertreten. Diese hat erst 2005 versucht, mit der ausgewiesenen Neonazi-Burschenschaft „Normannia-Nibelungen“ ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen: Die Gründung der „Ersten Bielefelder Schülerverbindung Teutonia“. Deren damalige Mitglieder sind dann auch heute teils auf dem Neonazi-Haus wiederzufinden. Als Kontaktadresse der inzwischen wieder eingeschlafenen Schülerverbindung wird bis heute das Haus von Niehoff’s „Turnerschaft Hansea“ angegeben. Erste Ansprechpartner sind die Neonazis Hendrik Stiewe und Timo Kötter.

Am heutigen Abend sitzt dieser Thomas Niehoff – womöglich erneut als Ehrengast – in der Stadthalle und feiert den Bismarck-Kommers gemeinsam mit den Bielefelder Studentenverbindungen – sowohl mit denen, die offen völkisch-nationalistische Prinzipien vertreten wie auch denen, die von sich sagen, christlich und liberal zu sein. Montag früh wird Thomas Niehoff wieder seine Männer-Etage in diesem Haus hier betreten – und weiterhin genau daran arbeiten: national gesinnte Männer in führende Berufe zu entsenden.

Sozialabbau, rassistische Gesetze, Geschlechtertrennung – die fortschreitende Zuspitzung der kapitalistischen Lebensverhältnisse. Antisoziale Politik. Und das Erstarken sexistischer, deutschtümelnder und auch faschistischer Bewegungen stehen für uns in einem direkten Zusammenhang. Das studentische Verbindungsunwesen ist _ein_ Ausdruck dieser Verhältnisse. Die Chefetage der IHK Bielefeld verdeutlicht ebenso exemplarisch die gesellschaftliche Brisanz des Verbindungsunwesens.

Wir stehen für Selbstbestimmung, Freiheit und Gleichheit. Und deshalb gibt es für uns an dieser Stelle nur eine Lösung:
Verbindungen kappen!
Seilschaften, Eliten und Männerbünde zerschlagen!
Studentenverbindungen auflösen!

Abschlusskundgebung vor der Stadthalle Bielefeld:

(Analyse und Kritik des Verbindungs(un)wesens [ak:mütze])

Wir demonstrieren hier heute gegen Studentenverbindungen und gegen den so genannten „Bismarck-Kommers“, der heute Abend in der Stadthalle vonstatten geht. Für unseren Protest haben wir viele gute Gründe:

Erstens: Studentenverbindungen stehen gegen jeden Gleichheitsgedanken, sondern stattdessen für die Förderung von Eliten! In ihren Netzwerken und Seilschaften von „Alten Herren“ und studentischem Nachwuchs protegieren sie ihre Mitglieder bei der Vergabe von Stellen und Posten. Sie konzentrieren sich dabei besonders auf gesellschaftliche Bereiche, in denen Macht, Einfluss und Geltung zusammenkommen. Ein Musterbeispiel in Bielefeld ist die Industrie- und Handelskammer, wo der Hauptgeschäftsführer gleichzeitig „Alter Herr“ einer Bielefelder Studentenverbindung ist.

Zweitens: Studentenverbindungen sind reine Männerbünde, grenzen Frauen aus ihren machtstrebenden Netzwerken aus, und verhalten sich damit sexistisch! Für alle Bielefelder Verbindungen gilt: Frauen sind unerwünscht. Zwar werden sie gerne als schmückendes Beiwerk bei manchen Veranstaltungen gesehen. Mitglieder sollen sie aber nicht sein. Es zeigt sich hier der alte Geist, wonach ausschließlich Männer eine Gesellschaft anführen und gestalten sollen. Diese Jahrhunderte alte patriarchale Logik sehen die Studentenverbindungen bedroht und wollen mit allen Mitteln gegensteuern.

Drittens: Nicht alle, aber viele Studentenverbindungen sind völkisch, nationalistisch und rassistisch. Sie beziehen sich auf die deutsche Kultur, das deutsche Wesen. Auf deutsche Interessen im Hier und Jetzt. So nehmen viele Verbindungen nur deutsche oder als solche betrachtete Mitglieder auf. Andere verlangen nach Gutsherrenart eine Unterordnung in Punkto Weltsicht und Verhalten. Das kann die Religionszugehörigkeit sein, das Erscheinungsbild oder einfach die Bereitschaft, sich nach fragwürdigen Traditionen erziehen zu lassen.

Die Studentenverbindungen stehen nicht im luftleeren Raum, sondern nehmen gesellschaftlichen Einfluss. Das zeigt auch ein Blick auf die Ehrengäste der heutigen Veranstaltung in der Stadthalle: Etliche Vertreter aus Politik und Wirtschaft kommen hier mit den Ewiggestrigen zusammen. Deshalb lässt sich das Treiben der Studentenverbindungen nicht einfach als witziges Kostümfest oder harmloses Besäufnis abtun.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich unter den Bielefelder Verbindungsstudenten auch zahlreiche Neonazis tummeln. Die „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ ist ein Sammelbecken für diese Szene. Ob aus dem Bereich des RechtsRock, der Revanchisten oder der militanten Nazi-Szene. Sie alle waren und sind hier gerne gesehen. Eine direkte Zusammenarbeit besteht zwischen diesen ausgewiesenen Neonazis und der „Alten Turnerschaft Hansea“. Hier trifft Neonazi-Szene auf Industrie- und Handelskammer. Biedermänner und Brandstifter!

Die in diesem Jahr für den „Bismarck-Kommers“ verantwortliche katholische Studentenverbindung nimmt ebenfalls keine rühmliche Rolle ein. Auf der einen Seite distanziert sie sich von den allzu unverhohlenen Nazis. Zum anderen bietet sie deren direkten Unterstützern mal wieder ein Forum zur Selbstdarstellung. Ob das die oft beschworenen christlichen Werte sein sollen? Wir würden eher von Verharmlosung und Korpsgeist sprechen!

ALLE Studentenverbindungen sind rückständig, ausgrenzend und antidemokratisch!
ALLE Studentenverbindungen sollten kalter Kaffee und Schnee von gestern sein!

So lange das nicht geschehen ist,
so lange Bielefelder Politiker diese Kreise noch beehren und hofieren,
so lange die Bielefelder Stadthalle für solche Veranstaltungen herhalten muss,
so lange werden wir unseren Protest auf die Straße tragen!

Denn hier und heute gilt wie immer und überall:
Für Selbstbestimmung, Gleichheit und Freiheit!
Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!
Seilschaften, Eliten und Männerbünde in die Tonne!
Verbindungen auflösen!

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Aufruf zur Demonstration am 1.4.2011

[Download als JPG-Datei, 135 kByte]

Demo gegen Studentenverbindungen

Bündnis-Demonstration

Freitag 1.4.2010 ab 18.00 Uhr

Auftakt: Schloßhofstraße 96
(vor dem Haus der „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“)

Zwar ist Bielefeld kein traditioneller Hochschulort, doch auch in Bielefeld sind Studentenverbindungen aktiv und begehen einmal im Jahr ihre gemeinsame Festveranstaltung: den sogenannten Bismarck-Kommers. So auch in diesem Jahr am 01.04. in der Bielefelder Stadthalle.

Wir rufen auf zur Demonstration
gegen das Treffen reaktionärer Männerbünde …

… von weit Rechts …

Wir starten in der Schloßhofstraße vor dem Haus der ausgewiesen neonazistischen „Burschenschaft Normannia Nibelungen“. Mitglieder der Normannia sind als Vorstandsmitglieder der „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“ verantwortlich für die größten Neonaziaufmärsche in Europa. Mitglieder der Normannia unterhalten „kameradschaftliche“ Beziehungen bis in die Holocaustleugnerszene und handeln mit Neonazi-Musik. Regelmäßig nahmen auch die Neonazis aus dieser Burschenschaft am Kommers teil.

… bis in die Mitte der Gesellschaft …

Von hier folgen wir der braunen Spur bis zur Zwischenkundgebung vor dem Gebäude der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen zu Bielefeld. Dieser regionalen Interessenvertretung der Unternehmen steht Thomas Niehoff als Hauptgeschäftsführer vor. Er ist Mitglied der pflichtschlagenden Studentenverbindung „Alte Leipziger Turnerschaft Hansea Bielefeld“. Hier wirbt man mit guten Beziehungen zu Unternehmen, die Mann als Steigbügel für den Karriereeinstieg nutzen kann. Hierbei ist „Mann“ wörtlich zu nehmen, denn Frauen können nicht Mitglied der elitären Bielefelder Akademiker-Klüngel werden.

… vereint in der Bielefelder Stadthalle.

Unsere Abschlusskundgebung findet vor der Bielefelder Stadthalle statt. Denn hier kommen auch in diesem Jahr die jungen Männer der vermeintlich zukünftigen Elite und die wohlsituierten „Alten Herren“ zusammen. Hier verbinden sich die völkisch-rassistische Ideologie einzelner Korporationen, Sexismus und biedermännischer Konservatismus zu einer Mischung, die Deutschtümelei und Ausgrenzung gegen Freiheit und Gleichheit setzt.

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Widerstand gegen den Bismarck-Kommers 2011 kommt ins Rollen (update 11.3.2011)

Langsam aber sicher läuft sich der Widerstand gegen den diesjährigen „Bismarck-Kommers“ warm.
So hat sich ein Aktionsbündnis zur Planung und Durchführung der verschiedenen Aktionen gegründet, das sich am 16. März erneut trifft (nähere Infos auf Anfrage).
Der AStA der Universität Bielefeld hat sich in einem Offenen Brief [pdf, 293 kByte] an den Oberbürgermeister, die Stadtratsfraktionen und das Universitätsrektorat gewandt, um mit einem Fragenkatalog deren Verhältnis zu den Korporationen im Allgemeinen und dem „Bismarck-Kommers“ im Besonderen zu hinterfragen. Im Nachgang hat der AStA die allgemeine Kritik am Verbindungsunwesen in einer längeren Stellungnahme [pdf, 102 kByte] noch einmal konkretisiert.
Die Jusos Bielefeld stellen unterdessen die Teilnahme verschiedener SPD-Repräsentanten an dem korporierten Besäufnis in den vergangenen Jahren kritisch in Frage.
Unsere vierteilige Veranstaltungsreihe Das Verbindungs(un)wesen ist inzwischen mit insgesamt mehr als 100 Besucher_innen sehr erfolgreich abgeschlossen worden.
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Demonstration gegen den Bismarck-Kommers 2011 angekündigt

Für den Fall, dass die Stadt Bielefeld trotz des breiten Widerstandes aus der Bevölkerung auch 2011 an der Vergabe der Stadthalle für die Durchführung des „Bismarck-Kommers“ festhält – und die Bielefelder Korporationsverbände weiterhin sich selbst inkl. der neofaschistischen „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ öffentlich darstellen wollen, wird am 1.4.2011 eine große Bündnisdemonstration stattfinden.

Die Demonstration wird neben dem „Bismarck-Kommers“ auch die Rolle der „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ sowie die Verflechtung der örtlichen Studentenverbindungen mit den hiesigen gesellschaftlichen „Eliten“ deutlich machen und hierzu geeignete Punkte im Stadtgebiet anlaufen.

Dem Demonstrationsbündnis gehören u.a. die Allgemeinen Studierendenausschüsse der Universität und Fachhochschule Bielefeld sowie zahlreiche Gruppen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Zusammenhängen an, darunter studentische Initiativen, Jugendorganisationen der Parteien, antifaschistische Gruppen und zahlreiche Interessenvertretungen aus den Bereichen Frauenrechte, Soziale Gerechtigkeit und Integrationspolitik.

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Hochkarätige Referenten in Bielefeld

Vom 18.1.2011 bis 10.3.2011 veranstaltet die Gruppe Analyse & Kritik des Verbindungs(un)wesens [ak:mütze] mit Unterstützung des AStA der Uni Bielefeld eine Vortragsreihe:

Das Verbindungs(un)wesen – eine Veranstaltungsreihe

Alle Jahre wieder findet in der Bielefelder Stadthalle der „Bismarck-Kommers der Bielefelder Korporationsverbände“ statt. Bei dieser Veranstaltung handelt es sich um ein Treffen verschiedener Studentenverbindungen und Burschenschaften, flankiert durch Ehrengäste aus Wirtschaft, Politik und weiteren Repräsentanten öffentlicher Einrichtungen.

Warum es sich bei diesem „Bismarck-Kommers“ keineswegs nur um ein harmloses Stelldichein einiger wirrer Kostümierungsfreaks handelt, wollen wir mit unserer Veranstaltungsreihe dokumentieren.

Ein zentraler Blick gilt hierbei den Ideologien und Strukturen, die sich übergreifend durch das Verbindungsunwesen ziehen – ganz egal ob es sich um eine offen neofaschistische Burschenschaft wie die „Normannia-Nibelungen“ oder sich in der demokratischen Mitte wähnende Studentenverbindungen wie die meisten anderen der örtlichen Korporationen handelt.

Zum Ende der Reihe befassen wir uns auch mit den Gegenaktivitäten zum diesjährigen „Bismarck-Kommers“. Denn eins steht mal fest: Das Leben ist schöner – lauter und bunter – ohne Band und Mütze. Wir sagen: Verbindungen kappen!


    Hinweis zum Hausrecht:
    Personen, die extrem rechten Parteien oder Organisationen angehören, der neonazistischen Szene zuzuordnen sind, oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, sind von den Veranstaltungen ausgeschlossen. Die Veranstaltenden behalten es sich darüber hinaus vor, farben- und uniformtragende Besucher von den Veranstaltungen auszuschließen.

Das Binnenleben der Studentenverbindungen

Bunte Kappen auf dem Kopf, bunte Bänder über dem Oberkörper – gewöhnlich fallen Mitglieder von Studentenverbindungen in der Öffentlichkeit durch ihr eigentümliches Outfit auf. Bekannt sind Studentenverbindungen außerdem dafür, dass sie Seilschaften bilden und große Mengen an Bier konsumieren.

Weniger bekannt sind einige Charakteristika, die in gesellschaftlicher und politischer Perspektive wohl folgenreicher sind. Die meisten Studentenverbindungen sind reine Männerbünde. Viele nehmen darüber hinaus auch keine Migranten auf. Einige manifestieren in Zweikämpfen mit scharfen Fechtwaffen, sogenannten Mensuren, ihr antiquiertes Macho-Männerbild. Schließlich sind viele von ihnen bis heute recht elitär. Alle sind dabei strukturkonservativ sowie tendenziell autoritär geprägt.

Der Vortrag informiert über Gemeinsamkeiten und über Unterschiede im Binnenleben der vielen verschiedenen Arten von Studentenverbindungen in Deutschland und Österreich und gibt einen Überblick über ihre unterschiedlichen Dachverbände.

Referent: Jörg Kronauer (Antirassistisches Bildungsforum Rheinland)

Dienstag, 18.01.2011, 19.00 Uhr
Universität Bielefeld (Raum R2-155)

Völkische Politik in Studentenverbindungen

Die NPD macht sich Hoffnung. Sie setze nach ihren Wahlerfolgen in Sachsen auf „eine steigende Attraktivität der Partei für Akademiker“ und auf eine „Sogwirkung im rechtsgerichteten Studenten- und Verbindungsmilieu“, schrieb Ende 2009 die Verbandszeitschrift der Deutschen Burschenschaft, die Burschenschaftlichen Blätter. Tatsächlich sind eine ganze Reihe von Burschenschaften seit je im Umfeld der extremen Rechten aktiv.

Mittlerweile beginnen sich weitere Studentenverbindungen, so zum Beispiel Bünde aus dem Dachverband Coburger Convent, für Strukturen etwa der sogenannten Neuen Rechten zu öffnen. Basis ist oft ein völkisches Denken, das das Deutschtum über alles stellt; gelegentlich führt es sogar zu ernsthaften Spekulationen, ob Deutschland nicht eigentlich größer sei als die Bundesrepublik.

Historisch ist das nicht neu: Viele Verbindungsstudenten bekämpften in den 1920er Jahren die damals noch junge Demokratie und beteiligten sich zu Beginn der 1930er Jahre an der Nazifizierung der deutschen Universitäten. Der Vortrag bietet einen Überblick über Geschichte und Gegenwart völkischer Politik in Studentenverbindungen.

Referent: Jörg Kronauer (Antirassistisches Bildungsforum Rheinland)

Dienstag, 01.02.2011, 19.00 Uhr
Universität Bielefeld (Raum R2-155)

Elite sein: wie und für welche Gesellschaft sozialisiert eine studentische Korporation?

Das Ziel der studentischen rechtskonservativ gesinnten Korporationen ist es, eine männliche Elite zu reproduzieren. Und das tun sie seit über 150 Jahren nahezu unabhängig vom Staatssystem mit großem Erfolg. Führende Politiker und wichtige Personen aus Wirtschaft und Wissenschaft zählten und zählen zu ihren Mitgliedern.

Corps (Manfred Kanther, Hanns-Eberhard Schleyer), Burschenschaften (Norbert Gansel), Landsmannschaften (Günter Öttinger) oder CV (Jürgen Rüttgers, Friedrich Merz), es sind meist reine Männerbünde, deren Ziel die gegenseitige Unterstützung ist. Woher kommt das, wie funktioniert es, was macht einen Korporierten aus und vor allem, wie sind sie organisiert?

Der Vortrag zeigt die Mechanismen informeller männlich-elitärer Netzwerkbildung auf verschiedenen Ebenen auf und diskutiert diese auch im Zusammenhang aktueller Bildungspolitik.

Referent: Dr. Stephan Peters (Heidelberger Wissenschaftsberatung)

Dienstag, 15.02.2011, 19.30 Uhr
BürgerInnenwache am Siegfriedplatz

Das Korporationswesen in Bielefeld

So überschaubar und heterogen die Bielefelder Verbindungslandschaft auch ist – der jährlich stattfindende „Bismarck-Kommers“ zeigt die andere Seite auf: Offen auftretende Neonazis, führende gesellschaftliche RepräsentantInnen und das gesamte Spektrum der Korporierten feiern unter beträchtlicher Aufmerksamkeit der Medien gemeinsam in der Stadthalle. Hier fallen sowohl die vorgeblichen Unterschiede zwischen den verschiedenen beteiligten Gruppen und Personen unter den Tisch, wie auch eine gesellschaftliche Relevanz offenkundig wird, die durch die zahlenmäßige Präsenz der Bielefelder Korporationen alleine nicht zu erklären ist.

Ein/e Referent/in antifaschistischer Gruppen aus OWL stellt die örtliche Situation dar und informiert über Gegenaktivitäten zum anstehenden „Bismarck-Kommers“.

Donnerstag, 10.03.2011, 19.30 Uhr
BürgerInnenwache am Siegfriedplatz

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Themenschwerpunkt: Geschlechterbilder der Studentenverbindungen

PDF-Dokument
(541 kByte)

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Themenschwerpunkt: Die korporationsstudentische Erziehung

PDF-Dokument
(344 kByte)

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Weiterführende Informationen: Literaturliste

Stephan Peters.
Elite sein. Wie und für welche Gesellschaft sozialisiert eine studentische Korporation
Marburg 2004
ISBN 3-8288-8635-3

Dietrich Heither
Verbündete Männer. Die Deutsche Burschenschaft. Weltanschauung, Politik und Brauchtum
Köln 2000
ISBN 3-8943-8208-2

Alexandra Kurth
Männer – Bünde – Rituale: Studentenverbindungen seit 1800
Gießen 2004
ISBN 3-5933-7623-7

Ralf Schröder
„…National gesinnte Menschen in führende Berufe entsenden“ – Notizen zur Tradition und Gegenwart der (Aachener) Studenten-Verbindungen
Aachen 1995
ISBN 3-9298-9600-1

AStA der Universität Hannover
Eliten und Untertanen
Hannover 2009
[Download als PDF-Dokument, 2758 kByte]

AStA der Technischen Universität Berlin
Stützen der Gesellschaft. Elite und Untertanen. Geschichte, Ideologie und Praxis studentischer Korporationen
Berlin 2009
[Download als PDF-Dokument, 1504 kByte]

AStA der Universität Münster
disconnect! – Reader zu studentischen Verbindungen in Münster
Münster 2007
[Download als PDF-Dokument, 2731 kByte]

AStA der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Verbindungs-(Un)Wesen – Reader über Burschenschaften und andere Zumutungen
Düsseldorf 2002
[Download als PDF-Dokument, 1420 kByte]

Referat für politische Bildung im AStA der Universität Mainz
herrschaftszeiten nochmal!
Mainz 2001
[Download als PDF-Dokument, 4489 kByte]

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Musik: Der Untertan


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